Alice Schwarzer schreibt

Jeder "Muslim" ein Sexualverbrecher?

© Sebastian Kahnert/dpa
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Wir haben die Wahl. Zwei Versionen sind möglich. Version 1: Der „muslimische Mann“ an sich ist so beschaffen, dass sich ein jeder ein Vergnügen daraus macht, mit massiver sexueller Gewalt über Frauen herzufallen, sobald er zu hunderten oder gar tausenden zusammentrifft – oder aber zumindest ungerührt zuschaut und seine Kumpel gewähren lässt. Version 2: Die über tausend Muslime in der Silvesternacht in Köln waren keineswegs zufällig auf dem Bahnhofsplatz, sondern hatten etwas gemeinsam. Sie kamen mit bestimmten Absichten bzw. waren zumindest Mitläufer.

Im Visier: die
freien Frauen
plus Willkom-
menskultur

Die Variante 1 wäre die rassistische. Stil: So sind sie, die Nordafrikaner bzw. Araber; die fallen eben über die Frauen her wie die Tiere, sobald sie können. Die Variante 2 wäre die politische: Keineswegs alle „Muslime“ sind so, sondern nur eine bestimmte Sorte. Und da gibt es heutzutage nur eine, die infrage kommt: die Islamisten, von den Salafisten über die Muslimbrüder bis zum „Islamischen Staat“. Sie sind die zurzeit größte politische Gruppierung von Frauenhassern in unserer Welt. Die Brechung der „emanzipierten Frauen“ ist eines der Hauptziele dieser Islamisten – und die Destabilisierung der deutschen „Willkommenskultur“ ist ebenfalls in ihrem Interesse. Und beides haben sie erreicht.

Ralf Jäger, der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, hat jetzt einen Bericht zur Lage herausgegeben. Dem entnehmen wir, dass bei der Kölner Polizei 482 Anzeigen wegen Sexualdelikten in der Silvesternacht vorliegen (gesamt 821 Anzeigen)! In Düsseldorf sind es 69 wg. sexueller Gewalt (113 gesamt). Die Opfer mussten in der Silvesternacht in langen Warteschlangen vor der Polizeiwache stehen, bis ihre Anzeigen aufgenommen wurden. 

Salafisten
agitieren die
Flüchtlinge!

Von bislang 30 gefassten Tatverdächtigen in Köln (es waren hunderte!) sind 13 Marokkaner und 12 Algerier, 15 von ihnen haben einen Asylantrag gestellt. Die Männer sind zwischen 16 und 32 Jahre alt, sie wohnen kaum in Köln und kamen aus anderen Städten angereist, anscheinend auch aus Belgien und Nordfrankreich. Ein Vergleich mit der polizeibekannten kleinkriminellen „Antänzer“-Gruppe ergab, dass nur einer der Registrierten zu diesen Taschendieben gehört.

Mehr weiß die Kölner Polizei bisher nicht. Aber eines weiß sie schon ganz genau: Die Taten waren „nicht organisiert“, so der Innenminister. Dafür spreche schon die „Heterogenität“ und Herkunft der Täter. Der Innenminister wörtlich: „Dass es bundesweit zu vergleichbaren Straftaten gekommen ist, lässt darauf schließen, dass die Delikte nicht zeitlich oder hierarchisch organisatorisch vorgeplant waren.“ Wie bitte?

Was meint der Innenminister mit diesem kryptischen Satz? Hat die Polizei sich überhaupt nicht die Frage gestellt, ob diese gleichzeitige massenhafte sexuelle Gewalt in der Silvesternacht in fünf Ländern und einem Dutzend Städten vielleicht doch provoziert, aber auf eine neue Art organisiert sein könnte? Hat sie alle Handys ausgelesen, nicht nur die der Verdächtigen, sondern auch die ihr bekannter islamistischer Aktivisten im Umkreis? 

Kölner Polizei
fragt nicht nach
islamistischer
Motivation

Zum Beispiel in der Kölner Moschee im Stadtviertel Kalk. Deren vom Verfassungsschutz schon länger als Salafist beobachteter Imam Sami Abu-Yusuf erklärte jüngst im russischen Fernsehen apropos der Silvesternacht: „Diese Frauen tragen selbst die Verantwortung für die Übergriffe, weil sie halb nackt herumlaufen und sich parfümieren. Es ist nicht überraschend, dass die Männer sie attackiert haben. Sich so anzuziehen, ist wie Öl ins Feuer zu gießen.“ 

Oder war die NRW-Polizei schon in der Großmoschee in Duisburg-Marxloh bzw. in angrenzenden Flüchtlingslagern, von denen man schon lange weiß, dass dort die Islamisten agitieren? Der bayerische Verfassungsschutz hat bereits gewarnt: Salafisten werben in Flüchtlingsheimen und auf Facebook um junge Flüchtlinge, vor allem unbegleitete. Und der Berliner Verfassungsschutz hat schon im Oktober 2015 eine „Handreichung“ für FlüchtlingshelferInnen herausgegeben. So sollen die Zeichen erkannt werden können, wenn Islamisten – sei es die von der Salafistengruppe oder auch andere – im Flüchtlingsmilieu agitieren.

Hat auch die Kölner Polizei wenigstens erwogen, den Verfassungsschutz hinzuzuziehen, weil die Taten nicht nur kriminell, sondern auch – und vor allem! – politisch, also islamistisch motiviert sein könnten? Nein, sie scheint weiterhin der strammen Überzeugung: Wir schaffen das schon! So wie in der Silvesternacht, in der ja auch keine Verstärkung gerufen wurde. 

Verfassungs-
schutz bisher
nicht ​ein-
gebunden

Eine Nachfrage von EMMA bei Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes, ergab: „Wir sind in der Angelegenheit bisher nicht tätig geworden. Das können wir nur, wenn es einen Hinweis auf eine ‚politisch motivierte Zielsetzung‘ gibt.“ Dieser Hinweis müsste von der Kölner Polizei kommen. Aber er kommt nicht.

Dabei könnte durchaus eine Handvoll islamistisch - also politisch! - Motivierter den Coup in der Silvesternacht seit Wochen vorbereitet haben. Islamisten, die aus Syrien bzw. Marokko eingereist oder auch in Dinslaken geboren sind, müssten dazu keine direkte Order vom „Islamischen Staat“ erhalten haben. ExpertInnen wissen längst, dass die Strukturen der internationalen rechtsextremen Islamisten dezentral sind: Die großen wie kleinen Gotteskrieger machen sich auch schon mal auf eigene Faust auf den Weg, in Paris wie Köln.

So eine Handvoll Männer könnte über Wochen in den einschlägigen Communities und den Flüchtlingslagern agitiert haben. Da kommen schnell ein paar hundert, ja ein paar tausend zusammen. Und diese Männer – aber eben nicht der zufällige Nordafrikaner oder Araber von nebenan! – haben sich dann für den Abend am Hauptbahnhof von Köln verabredet. Warum da? Weil dieser Bahnhof von vielen Städten und Ländern direkt erreichbar ist. Gefeiert wurde auf diesem Platz zwischen Dom und Bahnhof übrigens noch nie. Feiern tun die Kölner an Silvester am Rhein und auf den Rheinbrücken, wo sie dem Feuerwerk zuschauen. Aber diesen Männern ging es ja auch nicht ums Feiern. 

Sexuelle Gewalt
ist auch eine 
Kriegswaffe

Für zahlreiche KommentatorInnen aus dem Ausland – von Algerien über Frankreich bis Amerika – ist der Vergleich der Ereignisse auf dem Kölner Bahnhofsplatz mit dem, was zum Beispiel 2013 auf dem Tahrir-Platz in Kairo geschah, ganz selbstverständlich. Und sie wundern sich, dass die Deutschen nicht die Parallele sehen. Nicht sehen wollen.

Denn die (drohende) sexuelle Gewalt ist in allen Kriegen, so eben auch beim „Krieg“ der Islamisten gegen den Westen, eine Waffe. Das schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Es bricht die Frauen und vertreibt sie aus dem öffentlichen Raum. Und es demütigt den „Feind“, die Männer, die „ihre“ Frauen nicht schützen können. An diesem Abend kam in Köln noch die Demütigung von Vater Staat hinzu, der seine Bürgerinnen nicht schützen konnte.

Höchste Zeit, Antworten auf folgende Fragen zu fordern: 

1. Was könnte diese über tausend Männer, die sich auf einem Platz, auf dem kein Mensch Silvester feiert, in der Silvesternacht trafen, verbunden haben?

2. Über welche Kanäle und wie lief ihre Kommunikation?

3. Von welchen Kräften ging der Anstoß zu diesem Treffen aus? 

4. Stecken islamistische Motive, also politische Ziele dahinter?

Und wenn das nicht ausgeschlossen werden kann: Warum zieht die kommunale Polizei dann nicht endlich die für solche staatsgefährdenden Aktionen zuständigen Institutionen hinzu? Die Wiederholungsgefahr sei „sehr hoch“, war gestern aus Expertenkreisen zu hören. Zeit zu handeln. Sonst wird nicht nur der Karneval so gar nicht lustig.

Alice Schwarzer
 

Weiterlesen
War die Silvesternacht organisiert?
Das sind die Folgen der falschen Toleranz

Alice Schwarzer (Hrsg.): "Die große Verschleierung. Für Integration. Gegen Islamismus". (2011, KiWi, das Buch ist nur noch als Ebook erhältlich) und "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz" (2002, KiWi). mehr

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MuslimInnen sind die ersten Opfer

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Es tut der Debatte gut, auf dem Boden der Tatsachen geführt zu werden. Und dank der ersten repräsentativen Studie, die vom Bundesinnenministerium in Auftrag gegeben wurde und für die circa "6.000 Personen aus 49 muslimisch geprägten Herkunftsländern" befragt wurden, wissen wir seit Sommer 2009 Folgendes:

In Deutschland leben etwa vier Millionen Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis, rund die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Zwei Drittel dieser Menschen mit muslimischen Wurzeln sind türkischer Herkunft, der Rest kommt aus Südosteuropa, dem Nahen Osten oder Nordafrika.

Nur ein Drittel dieser vier Millionen Menschen bezeichnet sich selbst als "stark gläubig", der Rest als "eher gläubig" (50 Prozent) bzw. "eher nicht" oder "gar nicht" gläubig (14 Prozent). Es ist also falsch, Menschen muslimischer Herkunft zwangsläufig als "Muslime" zu definieren oder ihnen gar zu unterstellen, sie seien orthodox gläubig.

Nur ein Drittel der MuslimInnen in Deutsch-
land bezeichnet sich selbst als "stark gläubig"

Auffallend ist: Knapp jeder zweite muslimische Mann geht "manchmal" oder "häufig" in die Moschee – aber nur jede vierte Frau. Da überrascht nicht, dass sieben von zehn Frauen muslimischer Herkunft noch nie ein Kopftuch getragen haben. Und sehr interessant ist, dass selbst von den Musliminnen, die sich als "stark gläubig" bezeichnen, nur jede Zweite "manchmal" oder "immer" ein Kopftuch trägt. Was im Gegensatz steht zu der Behauptung islamischer Funktionäre, für die Muslimin sei Religiosität zwangsläufig mit dem Tragen eines Kopftuches verbunden. Übrigens: Die zweite Generation der Migrantinnen verbirgt etwas seltener ihr Haar als die erste.

So also sieht die Lebensrealität der Mädchen und Frauen muslimischer Herkunft aus, gläubig oder nicht gläubig. Gleichzeitig aber herrscht in der Öffentlichkeit der Eindruck: Wer muslimischer Herkunft ist, sei automatisch auch religiös; und wer religiös sei, müsse sich zwingend an gewisse "Gebote" des Korans halten, wie Fastenzeit oder Kopftuch. Dieser Eindruck ist falsch. Denn er basiert nicht auf der Realität der in Deutschland lebenden MigrantInnen und ihrer Kinder und Enkelkinder, sondern auf der Ideologie rühriger Islamverbände.

Diese Islamverbände – von der staatlichen türkischen Ditib bis zu der vom Verfassungsschutz schon lange beobachteten Milli Görüs – stehen jedoch nicht für die Mehrheit der MuslimInnen, sondern für eine Minderheit. Nur die Hälfte der in Deutschland lebenden MuslimInnen hat laut Studie überhaupt schon mal von einem oder auch zwei dieser Verbände gehört, nur knapp jeder Fünfte ist in einem organisiert.

Bedenkt man, dass diese Verbände bisher den "Dialog" mit Politik, Kirchen und Medien quasi allein bestimmt haben, wird klar, wie unzureichend, ja irreführend dieser vermeintliche Dialog sein muss. Bisher kaum wahrgenommen und schon gar nicht berücksichtigt wurden die Interessen der 80 Prozent, die in keinem dieser Verbände und häufig auch gar nicht oder nur moderat gläubig sind – und von denen selbst die Hälfte der "sehr glaubigen" Frauen kein Kopftuch trägt.

Die Islamverbände - von Ditib bis Milli Görüs - sprechen nur für eine Minderheit der MuslimInnen

Das wirft ein ganz neues Licht auf die Integrationsdebatte. Mehr noch: Es ist alarmierend, dass eine solche Minderheit in Bezug auf das "Muslimische Leben in Deutschland" (so der Titel der ministeriellen Studie) bisher den Ton angeben und behaupten konnte, für alle zu sprechen.

Diese Islamverbände, die von moderat bis fundamentalistisch gestimmt sind – und aus Mitgliederbeiträgen, von der Türkei oder gar von Saudi-Arabien finanziert werden –, erheben immer wieder den Vorwurf der "mangelnden Toleranz" der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der Ignoranz "muslimischer Glaubensfragen" inklusive seiner "religiösen Gebote". Dass diese angeblichen "Gebote" in der Lebensrealität von Menschen mit muslimischem Hintergrund eine so unterschiedliche Rolle spielen können wie bei Menschen mit christlichem Hintergrund, wird dabei nicht gesagt.

Auch die Menschen aus dem christlichen Kulturkreis sind ja keineswegs alle gläubig und auch ihre Ansichten reichen von liberal bis fundamentalistisch. Auch sie würden es sich verbitten, von Menschen anderer Kulturkreise in erster Linie als "Christen" definiert zu werden. Allerdings fällt auf, dass die Politik in Deutschland auch hier bei Fragen, die den Kirchen wichtig sind, weniger mit den betroffenen Menschen spricht und eher mit den Kirchenvertretern.

Zum Beispiel beim Abtreibungsverbot, das die Kirchen in Deutschland gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung und gegen die Lebensrealität der Frauen immer wieder durchsetzten. So hatte die Politik die 2009 verabschiedete Verschärfung der Abtreibungen ab der 13. Woche zuvorderst mit den Bischöfen verhandelt und nicht mit Frauenberatungsstellen, ProFamilia oder ÄrztInnen.

Oft haben diese christlichen Vertreter durchaus ähnliche Interessen wie die islamischen Verbände: nämlich die Durchsetzung der Vorrangigkeit von Glaubensfragen vor Menschenrechtsfragen, nicht nur in Gottesstaaten, sondern auch in Demokratien. So wie bei den Vertretern Jesu die Abtreibung steht bei den Vertretern Mohammeds das Kopftuch im Fokus.

Das war nicht immer so. Erst seit dem Sieg des iranischen Gottesstaates im Jahr 1979 ist das Kopftuch das Symbol und die Flagge der Islamisten, des politisierten Islam, und hat in den 80er-Jahren seinen Kreuzzug bis in das Herz von Europa angetreten. Seither streiten die Islamisten – also die Schriftgläubigen, die sich wortwörtlich auf den Text des im Jahr 632 geschriebenen Korans berufen – in Deutschland für das "Recht" auf das Kopftuch auf allen Ebenen, bis hinein in die Schulen, ja sogar in die Kindergarten. Und nicht selten kommen die Eltern direkt aus dem harten Kern dieser Islamverbände.

Sieben von zehn Musliminnen in Deutschland haben noch nie Kopftuch getragen!

Zum Tragen des Kopftuches, das die Mädchen als die "Anderen" sozial ausgrenzt und körperlich einengt, gehört eine ganze Palette von Sonderbehandlungen, die diese Eltern für ihre Kinder in der Schule verlangen. Die Proteste und Prozesse von Eltern werden in der Regel von den Islamverbänden unterstützt, die auch die juristischen Argumente und Strategien für die Eltern ausarbeiten. Immer geht es dabei um die Trennung der Geschlechter oder, so diese in deutschen Schulen verweigert wird, um die Befreiung von der Teilnahme der Mädchen am Schwimmunterricht und Sportunterricht, an den Schulausflügen und am Sexualkundeunterricht.

Das alles sind Fächer, die wir heute für die geistige und körperliche Bildung sowie für die Entwicklung von Gemeinschaftssinn in unseren Schulen für unerlässlich halten. Ganz zu schweigen von dem zentralen Prinzip der Koedukation, das ein Grundstein der Gleichberechtigung ist. Im gemeinsamen Unterricht können Jungen und Mädchen das traditionell Trennende überwinden und erleben, wie viel sie gemeinsam haben; sie sollen sich nicht fremd bleiben, sondern vertraut werden. Die Koedukation ist also unverzichtbar für jede geschlechtergerechte Erziehung.

In der Vergangenheit haben Richter sich immer wieder von einer oft gut gemeinten, jedoch meist naiven Toleranz leiten lassen und durch ihre Urteile zur Sonderbehandlung zur Diskriminierung von muslimischen Mädchen beigetragen, indem sie den Eltern-Anträgen auf "Befreiung" vom Unterricht zugestimmt haben. Dies scheint sich gerade zu ändern.

In Nordrhein-Westfalen, wo jeder dritte Mensch muslimischer Herkunft in Deutschland lebt, ergingen jüngst zwei Urteile, die die Hoffnung aufkommen lassen, dass der Offensive der Islamverbände endlich Einhalt geboten wird. So entschied das Oberverwaltungsgericht Münster zweimal im Interesse des Kindes, zuletzt am 30. Juni 2009, wo es das Begehren einer Familie zurückwies, eine Elfjährige vom Schwimmunterricht zu befreien.

Seit der Machtergreifung Khomeinis 1979 in Iran ist das Kopftuch Symbol der Islamisten

Die Schülerin geht seit 2008 auf das Goethe-Gymnasium in Düsseldorf. Bei der Aufnahme unterzeichnete die Mutter eine Erklärung, dass das Madchen auch am Schwimmunterricht teilnehmen werde – allerdings erst, nachdem Schuldirektorin Glenz der Mutter versichert hatte, das Mädchen dürfe auch im "Burkini" schwimmen (das ist ein Stoffgewand ähnlich den Badeanzügen, die in unserem Kulturkreis im 19. Jahrhundert von Frauen getragen wurden). Trotz dieses Einverständnisses forderten die Eltern der Elfjährigen wenig später die Befreiung ihrer Tochter vom Schwimmunterricht. Das Gericht befand, dies sei ein Verstoß gegen "Treue und Glauben", denn schließlich hatten die Eltern der Minderjährigen zuvor der Koedukation schriftlich zugestimmt.

Dasselbe Gericht – zuständig fur NRW, wo die Islamverbände besonders aktiv sind – hatte bereits am 20. Mai 2009 in einem anderen Urteil festgestellt: "Muslimische Mädchen im Grundschulalter haben grundsätzlich keinen Anspruch auf Befreiung vom koedukativen Schwimmunterricht." In dem Fall ging es um eine Neunjährige (!), die die Grundschule in Gelsenkirchen besucht. Deren Eltern sind der Auffassung, dass Mädchen ab dem siebten Lebensjahr zu verhüllen seien, um sie "vor sexuellen Versuchungen zu bewahren". Auch der "Burkini" schien diesen Eltern keine Lösung, da er sich im Wasser vollsauge und ihre Tochter beim Schwimmen behindere, ja eine regelrechte Gefahr für ihr Leben sei. Was richtig ist. Und es ist eigentlich schwer nachvollziehbar, warum deutsche Schulen überhaupt gestatten, dass die armen Mädchen unter diesen Stoffhaufen ins Wasser stolpern.

Immerhin steht das nordrhein-westfälische Schulministerium inzwischen hinter Schulleiterinnen wie Renate Glenz. Es kommentierte die Münsteraner Entscheidung mit den Worten: "Es wäre ein Zeichen falsch verstandener Toleranz, wenn die Teilnahme muslimischer Schülerinnen und Schüler an Schulveranstaltungen in das Belieben islamischer Verbände gestellt wurde."

In der "Handreichung" des Innenministeriums wird einfach behauptet, Religionsfreiheit habe Vorrang

Umso erstaunlicher die "Handreichungen" aus dem Jahr 2008 des NRW-Integrationsministeriums, die die islamischen Gebote als "religiöse Pflicht" für alle Muslime darstellen und Eltern, die ihren Töchtern den Schwimmunterricht untersagen wollen, für besonders "liebevoll" halten. Und ganz ähnlich ist leider der Tenor des im Juni 2009 veröffentlichten "Zwischen-Resümees" der von Innenminister Schäuble einberufenen "Deutschen Islam Konferenz". Zwar saßen darin Muslime und Christen, Gläubige und Nichtgläubige, doch stehen die zehn Seiten (von insgesamt 32) "Handreichungen für Schule und Elternhaus" zu "religios begründeten schulpraktischen Fragen" unverrückbar und schriftgläubig auf dem Boden des Korans.

In diesen vom Innenministerium veröffentlichten "Handreichungen" wird einfach behauptet, die Religionsfreiheit habe Vorrang vor dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag, der koedukative Sportunterricht wird als problematisch "aus religiösen Gründen" bezeichnet, und es wird empfohlen, im Konfliktfall "Schülerinnen von der Teilnahme an einzelnen Übungen zu befreien"; zum Beispiel wenn das Kopftuch beim naturwissenschaftlichen Unterricht Feuer fangen könnte (sic!).

Das Zehn-Seiten-Papier wurde u. a. von einem der führenden Experten islamischen Rechts in Deutschland, Prof. Mathias Rohe, verfasst. Rohe, der nach eigener Aussage 1978/79 in Saudi-Arabien "als Koch" gearbeitet hat und seit Mitte der 70er-Jahre regelmäßig islamische Länder in aller Welt bereist, hat von 1981–1989 Recht in Tübingen und Damaskus studiert. Er gilt heute in Deutschland vielen als der juristische Experte für die Anwendung bzw. Vereinbarkeit des islamischen Rechts – also der Scharia – mit dem deutschen Recht und gibt sich an etlichen Punkten neuerdings auch durchaus kritisch.

Derselbe Rohe erklärte noch vor einigen Jahren in der Frankfurter Rundschau kritiklos: "In Deutschland wenden wir jeden Tag die Scharia an. Wenn Jordanier heiraten, dann verheiraten wir sie nach jordanischem Recht. Die Menschen haben in diesen privaten Verhältnissen Entscheidungsfreiheit." Einen Vortrag Rohes von März 2003 resümierte die "Bundeszentrale für politische Bildung" mit den Worten: Dass auch die Scharia "Recht sei und im Wesentlichen dieselben Funktionen erfülle wie die Rechtsordnungen westlicher Gesellschaften. (…) Aus westlicher Sicht bereite das Rechtsverständnis der Scharia keine größeren Probleme."

In Ratgebermanier werden die rechtsstaatlichen Grenzen für muslimischen Eltern ausgetüftelt

2006 kritisieren Soziologen scharf eine Moslem-Studie, die Rohe im Auftrag des österreichischen Innenministeriums erstellt hatte, wegen "gröbster methodologischer und technischer Mängel" – im gleichen Jahr beruft das deutsche Innenministerium ihn in die Islam Konferenz. Zwei Jahre später, 2008, gründet Rohe in Erlangen ein "Zentrum für Islam und Recht in Europa".

In dem von Rohe mitredigierten Papier der Islam Konferenz werden in Ratgebermanier auch noch die letzten Spitzfindigkeiten innerhalb der rechtsstaatlichen Grenzen für muslimische Eltern ausgetüftelt, die ihren Töchtern eine gleichberechtigte Teilnahme in der Schule verwehren und auch Minderjährigen das Kopftuch diktieren wollen. Hier wird deutlich, wie selbstverständlich der Einfluss der Scharia auf das deutsche Rechtssystem heute schon ist – und dass der Prozess der "Schariasierung" des deutschen Rechtsstaates noch lange nicht am Ende ist. Zum Schaden aller Menschen, insbesondere Frauen muslimischer Herkunft – und zur Beschädigung der demokratischen Schule, in der alle die gleichen Chancen haben sollten.

Darum: Wehret endlich den Anfängen! Das Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen an deutschen Schulen hat ein Signal gesetzt. Es musste über Jahre gegen die von Islamverbänden unterstützte oder gar initiierte Welle von Prozessen verteidigt werden. Das scheint gelungen zu sein. Jetzt ist der zweite Schritt fällig: Ein Kopftuch-Verbot für Schülerinnen! Nur dieser konsequente Akt gäbe den kleinen Mädchen aus orthodoxen bis fundamentalistischen Familien endlich die Chance, sich wenigstens innerhalb der Schule frei und gleich bewegen zu können. Ob die Mädchen dann nach der Schule das Kopftuch wieder aufsetzen, das wäre dann ihre Sache – bzw. die der Eltern, solange sie unmündig bzw. abhängig sind.

Frankreich hat mit dem 2004 erlassenen Kopftuch-Verbot beste Erfahrungen gemacht. Nachdem zahlreiche Islamverbände zunächst Sturm liefen, entführten sogar fundamentalistische Terroristen im Irak vor Einführung des Verbots im Sommer 2004 zwei Journalisten als Geiseln, um das französische Kopftuch-Verbot zu kippen – was alle, inklusive der Muslimverbände, empört hat. Seither hat es sich bewährt. Die kopftuchfreie Schule ist jenseits des Rheins längst Alltag. Die Schülerinnen und Schüler aller Kulturen finden es selbstverständlich, dass das stigmatisierende Stück Stoff nicht mehr zwischen ihnen steht. Und die LehrerInnen sind erleichtert. Sie können unterrichten, statt immer wieder dieselben pseudoreligiösen Debatten führen zu müssen, angezettelt von Kindern islamistischer Eltern. Sie haben endlich klare Verhältnisse.

Der Text ist ein Auszug aus dem 2010 von Alice Schwarzer herausgegebenen Buch "Die große Verschleierung. Für Integration. Gegen Islamismus".  (KiWi)  Das Buch ist nur noch als Ebook erhältlich.

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