Die Folgen der falschen Toleranz

Für die Glücklichen, die nicht dabei waren auf der Gang-Bang-Party rund um den Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht: Auf Focus Online steht ein Video, auf dem wir sehen können, wie junge Männer arabischer bzw. nordafrikanischer Herkunft Krieg spielen, mitten in Köln. Sie ziehen in Truppen über den Platz, bilden Fronten und feuern aus „Pistolen“ Feuerwerkskörper mitten in die Menge. Und keiner hindert sie daran.

Eine Gruppe von über tausend dieser jungen Männer hatte sich in der Silvesternacht vor der Kulisse von Bahnhof und Kölner Dom zusammengerottet. Vor Ort anwesend: 143 Polizeibeamte von der Kölner Polizei plus 50 Bundespolizisten im Inneren des Bahnhofs. Schließlich gab es in ganz Europa Terrorwarnungen und gelten Hauptbahnhof und Dom als besonders gefährdet. Doch der Terror kam (noch) nicht aus der Kalaschnikow oder von Sprengstoffgürteln, er kam aus Feuerwerkspistolen und von Feuerwerkskrachern. Und von den grabschenden Händen der Männer. Die Jungs üben noch.

Hunderte Übergriffe.
Die Polizei hat
nichts gesehen

Ein traditionell fröhlicher Anlass kippte in den Horror. Mittendrin etwa 200 Polizeibeamte in Uniform wie Zivil. Doch die hatten angeblich von den hunderten von Übergriffen nichts gemerkt. Am Tag nach der dramatischen Nacht hatte die Kölner Polizei sogar eine Pressemitteilung herausgegeben, in der behauptet wurde, die Nacht sei „friedlich und fröhlich“ verlaufen. Der Polizeipräsident war angeblich ganz „überrascht“, als in den Tagen darauf Anzeigen eingingen, bisher 553 (Stand 12. Januar), davon rund 249 wg. sexueller Gewalt, Tendenz steigend. Die Männer sollen im Alter von 18 bis 35 gewesen sein. Sie haben sich auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz aufgeführt wie auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Wie viele dieser Anzeigen von Frauen kommen? Dazu konnte die Kölner Polizei auch Tage danach auf ihrer Pressekonferenz nichts sagen. Sie hatte wohl noch nicht die Zeit, die Anzeigen nach Geschlecht auszuwerten.

Da stellen sich eine Menge Fragen. Erstens: Wieso kriegt die Polizei nicht mit, wenn sich 1.000 überwiegend gewaltbereite und kriminelle Männer (darunter polizeibekannte Intensivtäter) am Hauptbahnhof verabreden und dort zusammenrotten? Zweitens: Warum schreitet die Polizei nicht schon ein, wenn diese Männer Feuerwerkskörper auf Menschen ballern, was ja lebensgefährlich sein kann, und verhaftet die Täter? Drittens: Wie ist es erklärbar, dass hunderte von Frauen unter den Augen eines so massiven Polizeiaufgebotes sexuell belästigt werden?

Köln ist kein
Einzelfall.
Jung-Männer-Rudel allerorten

Nimmt die Polizei sowas nicht so ernst? Oder hatte die Polizei Angst vor den Tätern: 1000 gegen 200? Und waren die Beamten im Einsatz danach zum Vertuschen verdammt worden? Hat der deutsche Staat also punktuell sein Gewaltmonopol schon verloren und gibt es längst rechtsfreie Räume, auch mitten in Deutschland?

Nachdem der Kölner Polizeipräsident zunächst behauptet hatte, unter den Randalierern seien keine Flüchtlinge gewesen, sickerte eine Woche nach den dramatischen Ereignissen durch: Es waren sehr wohl auch syrische Flüchtlinge unter den 80 an diesem Abend kontrollieren Männern. Wie viele, das ist noch nicht bekannt. Doch die Mehrheit waren vermutlich die Flüchtlinge von gestern bzw. Migranten und ihre Söhne. Die träumen davon, Helden zu sein wie ihre Brüder in den Bürgerkriegen in Nordafrika und Nahost – und spielen jetzt Krieg mitten in Europa.

Diese jungen Männer sind das triste Produkt einer gescheiterten, ja nie auch nur wirklich angestrebten Integration. Sie sind das Produkt einer falschen Toleranz, in der fast alle - Menschen, Medien, Kirchen und Politik - unsere Demokratie, unseren Rechtsstaat, unsere Gleichberechtigung infrage stellen, ja mit Füßen haben treten lassen, zugunsten „anderer Sitten“ bzw. einer ominösen „Religionsfreiheit“ – in deren Namen man Parallelwelten entstehen ließ und nicht auf Integration bestand. Als hätte dieser Fanatismus etwas mit Glauben zu tun.

Die Kölner Horror-Nacht scheint kein Einzelfall zu sein. Aus zahlreichen Städten wird jetzt von Jung-Männer-Rudeln berichtet, die Frauen wie Männer überfallen, um zu stehlen und Frauen zu erniedrigen. Allein in Hamburg gingen 70 Anzeigen ein wegen sexueller Gewalt in der Silvesternacht. Einmalig ist allerdings, dass aus einer „Gruppe“ von 1000 Männern so ein Terror kommt. Jeweils 20 bis 40 Männer umringten die Frauen und malträtierten sie.

Da stellt sich die Frage: Was haben diese 1000 Männer gemein? Wie haben sie kommuniziert? Auf welchen Kanälen und Plattformen? Woher kommen sie? Haben sie sich verabredet? Es ist kaum zu verstehen, dass die Polizei das bisher nicht herausfinden kann. Und mit welchen Konzepten wollen Polizei und Politik jetzt darauf reagieren? Es eilt!

Auch diese
jungen Männer
hätten eine
Chance verdient!

Als EMMA in der November/Dezember-Ausgabe 2015 einen Forderungs-Katalog zum Schutz weiblicher Flüchtlinge und Kinder sowie zum Respekt männlicher Flüchtlinge vor Rechtsstaat und Frauenrechten in Deutschland veröffentlichte, hagelte es mal wieder die seit 30 (!) Jahren vertrauten Rassismus-Vorwürfe seitens der üblich Verdächtigen. Ein Spiegel-Kolumnist ging sogar so weit, mich des „Rassismus“ zu bezichtigen, weil ich mir erlaubt hatte, auf den traditionellen, eingefleischten „Antisemitismus und Sexismus“ vieler Männer aus der arabischen und muslimischen Welt hinzuweisen.

Nun, wir können auch weiterhin die Augen verschließen und so tun, als gäbe es diese Probleme nicht. Die fatalen Folgen dieser Ignoranz erleben wir nicht erst seit heute. 

Und übrigens, kleiner Hinweis an die selbstgerechten „Anti-Rassisten“ vom Dienst: Mit dem blauäugigen Import von Männergewalt, Sexismus und Antisemitismus gefährden wir nicht nur unsere eigene Sicherheit und Werte; wir tun auch diesen verrohten jungen Männern unrecht, die ja nicht als Täter geboren sind. Sie sind geprägt von den Erfahrungen eines traditionell gewalttätigen Patriarchats innerhalb der Familie sowie der Bürgerkriege auf den Straßen, was sie zu Tätern wie Opfer gemacht hat. Wenn wir sie nun bei uns aufnehmen, haben auch sie das Recht darauf, eine Chance zu bekommen: die Chance, anständige Menschen zu werden. Was allerdings ebenso die Pflicht zur Integration bedeutet.

Alice Schwarzer

Aktualisiert am 12. Januar 2016

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Kommentare

Wie blauäugig muss man sein, um so stur zu ignorieren, dass immer noch in unzähligen Kulturen/Religionen ein zu unserer Demokratie komplett konträres Menschenbild und vor allem Frauenbild vermittelt wird, das mit den Werten unserer Demokratie nicht kompatibel ist. Wer wagt dieses Thema überhaupt anzusprechen wird mit dem Totschlagargument des Rassisten mundtot gemacht. Solange dies Tabuthema bleibt, ist aber ein friedliches Miteinander Utopie. Es ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, Vorstellungen, die zeitlebens in Köpfe gepflanzt und kultiviert wurden, plötzlich mit demokratischen Grundwerten zu konfrontieren. Aber es ist notwendig.

Was wir heute in ganz Europa sehen, ist meiner Meinung nach kein Integrations- sondern ein Kulturproblem. Wenn man 2 Millionen Chinesen nach Deutschland bringen würde, würden wir diese Zustände nicht haben.
Was dem Nahen Osten und dem Islam fehlt ist Säkularisierung. Wenn selbst als gemäßigt geltende Moslems einen verprügeln wollen, wenn man eine Seite aus dem Koran reißt oder Mohammed zeichnet, dann stimmt etwas nicht. Man hat das Gefühl, dass der Islam im Schleudersitz ins 21. Jahrhundert katapultiert wurde und nun an seiner eigenen Aufklärung zerbricht.
Ein wichtiger Schritt wäre es Religion und Staat noch viel stärker zu trennen in Deutschland und in unserer Schulerziehung aufgeklärtes, souveränes Denken stärker zu unterstützen.
Das Osmanische Reich scheint immer noch in den Köpfen vieler zu stecken, weit weg davon scheinen sie sich nicht bewegt zu haben in den letzten Jahrhunderten.

http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_leb/FrauenOsmanReich_de.php

Kaum Unterschied zu heute. Leider.

"Wie blauäugig muss man sein, um so stur zu ignorieren, ...." tut doch keiner. Keiner sagt: Mhh Sexismus und Gewalt gegen Frauen gibts bei denen nicht. Was die Leute sagen ist, dass dies kein Grund ist, die Flüchtlinge nicht ins Land zu lassen oder unter Generalverdacht zu stellen. Z.b. differenziert auch Alice Schwarzer in dem Artikel, wenn sie schreibt: " ...eingefleischten „Antisemitismus und Sexismus“ vieler Männer aus ..." und sie fordert nicht, die Flüchtlinge an der Grenze zu erschießen, sondern "Was auch heißt: die Pflicht zur Integration."

" Solange dies Tabuthema bleibt, ist aber ein friedliches Miteinander Utopie." ... Also in meinem Umkreis wird darüber sehr heftig disktuiert und gestritten, von einem Tabu kann kein Thema sein. Daher könnte es sein, dass die Meinung an sich das Problem ist und nicht das Ansprechen des Themas :)

Ich bin mich nicht sicher, ob an dieser Stelle die Schuldzuweisung in Richtung Gesellschaft zielführend ist. Mit mehrsprachigen Flyern kann m.E. angesichts der unüberschaubar großen Zielgruppe nicht viel bewirkt werden. Und nicht wenige Frauen mit Migrationshintergrund unterstützen die orientalische Weltanschauung ihrer männlichen Bezugspersonen.

Nicht unbedingt die Polizei ist Schuld an den hiesigen Zuständen. Hinterfragt werden muss die Handlungsweise der Staatsanwaltschaften und Richter in NRW. Zögerliche Bearbeitung von Strafverfahren ist mit ein Grund, dass Köln zu einem "Mekka" für Straftäter geworden ist.

http://www.focus.de/politik/deutschland/sexuelle-uebergriffe-in-koeln-me...

Als ob es ein Einzelverbrechen wäre, als ob die Täter ermittelbar wären, als ob hier Instrumente des Rechtsstaates einfach greifen könnten. Eine harte Antwort der Kanzlerin mit Konsequenzen in der Politik wäre überfällig, wird aber leider wohl nicht kommen....

... es ist schlimm, was da passiert ist und ich wünsche mir das jeder einzelne Täter zur Rechenschaft gezogen wird. ABER ständig wird der Eindruck erweckt, es handele sich hier um TAUSEND Männer, die randalierten und Frauen sexuell belästigten. Dem ist schlicht nicht so!. Und ich ärgere mich tierisch, dass ich schon wieder dazu genötigt werde, dieses zu erwähnen nur weil andere zu faul sind die Fakten zu recherchieren. Ich sehe immer die Menschen vor mir, die schlecht recherchierte und reißerischen Artikel lesen und dann mit rot angelaufenen Kopf auf die Straße rennen und brüllen "Die Welt geht unter, ich habe es doch schon immer gesagt". Also liebe Mitforisten, natürlich könnt ihr euch darüber aufregen was in Köln passiert ist, und es ist auch selbst mit den gesicherten Faktenlage zum Aufregen. Aber bitte macht euch diese doch wenigstens auch bewusst.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/koeln-was-wir-bislang-ueber-die-ue...

Mich interessiert: Was kann frau nun tun um Zeichen zu setzen? Da die Politik so verhalten oder kaum reagiert, läge es an allen (auch ausländischen) Bürgerinnen dieses Staates Flagge zu zeigen, im Idealfall mit Unterstützung durch Partner, Brüder, Freunde, Väter etc. Nicht klein beigeben oder gar sich unsichtbar machen, sich "züchtig" kleiden (wie auch schon in Kommentaren deutscher Leserkommentarschreiber zu lesen war!), sondern unsere Werte, unsere Freiheiten als Frauen verteidigen. Das sind wir nicht nur unseren Vorfahrinnen schuldig, die für uns die Freiheit erkämpft haben, sondern auch unseren Töchtern und Enkelinnen in ferner Zukunft.

Nebst diesem entsetzlichen und beispiellosen Vorfall, schockiert mich als Mann auch, dass eben jene (Pseudo)Feministinnen, welche sich sonst gerne als Fackelträgerinnen der Bekämpfung des Patriarchats präsentieren, genau in diesem Moment verstummen, wo das ideologisches Täter- und Opferklientel eine gemeinsame Schnittmenge bilden.
Aber umso erfreulicher ist es zu lesen, dass sich nun hier die Spreu vom Weizen trennt und "wahre" Feministinnen, wie Alice Schwarzer, absolut konsequent der Gleichstellung der Frau und der Unantastarkeit ihrer Würde das Wort reden. Solche Taten sind mit nichts zu rechtfertigen. Weder mit dem kulturellen Hintergrund noch mit dem Vorhandensein eines Y-Chromosoms. Das sind gelebte Perversionen zur Unterjochung der Frau um das eigene Gefühl der Minderwertigkeit zu kompensieren. Niemand hat so etwas verdient. Niemand sollte so etwas erdulden müssen.

@neo_athena

Dieses Narrativ des "Nachholbedarfs" der muslimischen Welt ist historisch falsch, auch wenn es gerne bemüht wird. Vielmehr gab es einen Rollback, der bereits bestehende Freiheitsrechte bedeutend eingeschränkt hat. Nicht nur Atatürk hatte bürgerlich-moderne Gesellschaftsreformen durchgeführt (die momentan von Erdogan Stück für Stück zurückgenommen werden) sondern z.B. auch Reza Schah im Iran oder Nasser in Ägypten. Es gab Säkularisierung in großen Teilen der arabischen/persischen Welt, die von der Gesellschaft getragen wurde.

Wie lächerlich z.B. die fundamentalistischen Forderungen der Muslimbrüder in Ägypten Mitte des 20. Jahrhunderts für die meisten Menschen waren, kann man eindrucksvoll an dieser alten Rede sehen: https://www.youtube.com/watch?v=_IH_NzbA-xY

Wir müssen wieder auf die Straße und demonstrieren gegen männliche Gewalt, gegen das verkorkste Frauenbild der muslimischen Männer, gegen den sexuellen Terror! Für die Würde und die Rechte der Frau, Mädchen und weiblichen Babies! Was ist nur aus den frühen Zeiten geworden, Beauvoir, Schwarzer... Clara Zetkin etc, warum sind uns diese Frauen keine Rollenmodelle mehr? Alles erkämpfte scheint aus der Hand zu driften, das darf so nicht nochmal passieren JAHRTAUSENDE ALTES PATRIACHAT und wir haben schon so viel erreicht... jetzt soll alles wieder Mittelalter-Style werden oder wie? Wir müssen auf die Straße und ein Zeichen setzen, Suffragetten; Feministinnen, Frauenrechtlerinnen! Warum kommt da nichts? Zusammen und vereint wird die Angst schneller genommen als zu Hause hinterm Rechner...

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