Alice Schwarzer schreibt

Swetlana Alexijewitsch

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Ich freue mich ganz besonders auf die Begegnung am Sonntagabend in Hannover mit meiner Kollegin aus der Ukraine. Das Schauspielhaus führt am 11. Oktober einen Text von Alexijewitsch szenisch auf: "Vom Ende des Roten Menschen". Im Anschluss daran werden Swetlana und ich auf der Bühne darüber reden.

Niemand scheint mir berufener als sie, über das Leben der Menschen in der Ex-Sowjetunion zu reden. Seit Jahrzehnten gibt die "Poetin der gesprochenen Sprache" diesen Menschen eine Stimme: ihrem Leid wie ihren Hoffnungen.

Ihre Methode ist die journalistische Recherche und literarische Verdichtung zu Monologen. Ihr erstes Buch, "Die letzten Zeugen", widmete die 1948 Geborene den Frauen, deren Männer und Söhne von den Nazi- oder den Stalin-Schergen ermordet wurden. Später ließ sie die vergessenen Rotarmistinnen sprechen ("Der Krieg hat kein weibliches Gesicht" mehr) oder die 19-jährigen Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren und Täter und Opfer zugleich waren ("Zinksoldaten").

Alexijewitsch kehrte zurück ins kontaminierte Tschernobyl und sie blieb Zeugin des Schreckens in der zerfallenen Sowjetunion, in der sich heute ehemalige Nachbarn als ethnische "Feinde" zerfleischen.

Doch trotz des Grauens sind Alexijewitschs Texte immer tief geprägt von Menschlichkeit und Liebe. Liebe zu den Menschen, für die sie die Hoffnung nicht aufgibt.

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