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Pegida: Shitstorm gegen Alice Schwarzer

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Alice Schwarzer ist wieder in einen „shitstorm“ geraten. Die Publizistin und Frauenrechtlerin wird wegen eines Artikels heftig kritisiert, in dem sie sich gegen eine pauschale Kritik an Pegida wendet. In dem Beitrag auf ihrer Seite der Homepage Emma.de schreibt Schwarzer, es gebe laut einer Umfrage eine „überwältigende Mehrheit“ in der Bevölkerung, die teilweise oder volles Verständnis für Pegida habe. Es handele sich dabei um „ein Unbehagen an der offensiven islamistischen Agitation, der Propagierung der Scharia“. Es sei ein berechtigtes Unbehagen „an dieser neuen Form des Faschismus“.

Schwarzer fragt, wo bei aller Empörung über Pegida die „Empörung der politischen Klasse über die Forcierung von Parallelgesellschaften mitten in Deutschland“ bleibe. „Auch dagegen müsste demonstriert werden. Und zwar dringend!“ Solche Demonstrationen, wenn es sie denn gäbe, hätten nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun, „sondern wären im Gegenteil ein Beistand sowohl für die Flüchtlinge aus den islamistischen Ländern“ als auch für die mehr als achtzig Prozent integrierter Muslime in Deutschland, die gerne in einer Demokratie lebten und vor Islamismus geschützt werden wollten.

Schwarzer kritisiert, dass den Deutschen stattdessen eingeredet werde, sie verhielten sich ausländerfeindlich oder islamfeindlich, wenn sie die Minderheit der Muslime, die nicht integriert seien, dazu aufforderten, „unser Wertesystem“ anzuerkennen, nämlich Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und die strikte Trennung von Religion und Staat. Schwarzer schreibt: „Und was ist mit den Hunderten, ja Tausenden Konvertiten, die aus Europa in den Dschihad ziehen? Sind sie isolierte Phänomene, individuelle Ausrutscher? Oder sind sie die logische Ausgeburt einer falschen Toleranz, die über Jahrzehnte auch mitten in Deutschland der islamistischen Hetze in den Koranschulen und (so manchen) Moscheen nichts Positives entgegengesetzt hat – und das immer noch nicht tut?“

Gegen Schwarzers Argumente lässt sich nur schwer etwas sagen. Dennoch brach über sie ein Sturm der Entrüstung herein. Obwohl sich Schwarzer in ihrem Artikel von Pegida distanziert, wurde sie für ihre Polemik – vor allem auf „Twitter“ – heftig kritisiert. Sie zeige Verständnis, sei eine „Mitläuferin“, heißt es dort. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte Handelsblatt-online: „Wenn sich Alice Schwarzer nach ihrer Steuerhinterziehungsaffäre und den damit verbundenen abenteuerlichen Rechtfertigungsversuchen neuerdings auch noch hinter die Pegida-Demonstrationen stellt, so zeigt das nur, wie wenig sie noch mit fortschrittlichen Positionen am Hut hat“.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und die strikte Trennung von Religion und Staat - alles keine fortschrittlichen Positionen?

Jasper von Altenbockum, 7.1.2015, auf FAZonline

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