Alice Schwarzer schreibt

Mit 66 Jahren...

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Ich bin am 3. Dezember 66 Jahre alt geworden.

Ich finde, das hört sich alt an. Auch wenn Lévi-Strauss schon 100 ist. Und ich staune, wie wenig diese objektive Zahl mit meinem subjektiven Empfinden zu tun hat. Aber das geht wohl nicht nur mir so.

Jean-Paul Sartre hat mal gesagt: „Alt ist man immer nur für die anderen.“ Will sagen: Die Rollenzuweisung der anderen hat mit dem Selbstverständnis wenig zu tun. Und seine Gefährtin Simone de Beauvoir hat vorausschauend bereits mit Mitte 50 ihr bis heute wegweisendes Standardwerk über „Das Alter“ geschrieben. Darin belegt sie, dass niemand so gut altert wie Menschen, die intellektuell rege, neugierig und teilnehmend sind - und bleiben. Mal abgesehen von den wahrlich nicht zu unterschätzenden denkbaren Einschränkungen, wie Armut oder Krankheit: Mensch wird alt, so wie er oder sie jung war, sagt Beauvoir. Beruhigend.

Schön auch, nicht angestellt zu sein und mit 65 automatisch in Pension gehen zu müssen, sondern seine eigene Herrin zu sein.

Am selben Tag wie ich hat mein Patenkind Angelina Geburtstag. Sie ist in diesem Jahr 6 geworden. Ich habe ihr geschrieben, dass ich 66 werde – also zweimal 6, sozusagen doppelt so alt wie sie. Mal sehen, ob ich das durchkriege.

In diesem Sinne

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