Feminismus pur: In 99 Worten
Ich bin seit 60 Jahren Journalistin und seit über 50 Jahren engagierte Feministin. Mit manchen der folgenden Themen beschäftige ich mich quasi schon lebenslang (wie Abtreibung oder Prostitution), andere sind erst in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen (wie Queerfeministinnen oder Silvesternacht). Wiederum andere sind zwar persönlich, aber auch exemplarisch. Meine Methode ist immer: objektive Recherche und subjektiver Zugriff, von wissenschaftlich bis feuilletonistisch. Die Form: eine Buchseite, nicht mehr und nicht weniger.
1800 Zeichen. Eine Herausforderung, die ich mir selbst auferlegt habe. Und das zu Themen, die zehn (EMMA-)Heftseiten oder auch ein ganzes Buch füllen könnten bzw. schon gefüllt haben. Aber zehn Magazinseiten werden nicht von allen und ganze Bücher in Zeiten des Internets immer seltener gelesen. So geht Wissen, gehen bereits erlangte Erkenntnisse verloren. Vor allem in Bezug auf den autonomen Feminismus, dem die noch immer patriarchal geprägte Geschichtsschreibung nicht sonderlich gewogen ist.
Der Feminismus hat das Leben jedes einzelnen Menschen tiefgreifend verändert
Der Feminismus, diese allein schon in der Neuzeit über anderthalb Jahrhunderte erprobte Theorie und Praxis, hat, mehr noch als der Sozialismus, die Gesellschaft und das Leben jedes einzelnen Menschen tiefgreifend verändert. Aber die heute jungen Frauen (und Männer) wissen kaum noch etwas von dem einst Gewesenen bzw. bereits Erreichten und fangen immer wieder bei null an – statt endlich weiterzudenken.
Mit diesem Buch versuche ich, den Kern des jeweiligen Themas zu erfassen und den Bogen ins Heute zu schlagen. Damit junge Frauen und die interessierten Männer nicht wieder auf der Stelle treten – oder gar zurückfallen! –, sondern sich auf die Schultern der Pionierinnen stellen und weiter blicken.
Der Begriff Feminismus ist keine geschützte Marke, sondern eine inflationäre Münze. Jede und jeder kann sich auf ihn berufen, bis hin zu den AntifeministInnen. Und gerade die tun es mit Vorliebe. Denn erst das Etikett "Feminismus" gibt dem Antifeminismus eine gewisse Pikanterie (sonst wäre er nur fad).
Meine Themen sind zum Teil Klassiker des sogenannten Gleichheitsfeminismus, stehen also in der Tradition von Universalismus, Humanismus und Antibiologismus; zum Teil sind sie sehr persönlich – wie das "Autofahren" oder mein Ex-Lebensgefährte Bruno.
Selbstverständlich haben meine EMMA-Kolleginnen gegengelesen (so wie ich alle ihre Texte gegenlese) und dazu noch einige Anmerkungen gemacht oder gar Fehler entdeckt. Danke! Denn es versteht sich, dass bei dieser Kurzform so manches hintenüberkippt, manchmal auch Wesentliches. Doch der Kern muss stimmen!
Ich gebe zu: Ich habe diese kurze Form nicht nur gewählt, um heutigen Lesegewohnheiten entgegenzukommen, sondern auch aus Sportsgeist. Es braucht eine hohe Konzentration und einen gewissen Mut für eine Autorin, einen Autor, diese 99 Bausteine so knapp und präzise zu meißeln, zu einem Mosaik zusammenzufügen, das mein Weltbild abbildet. Das ist mein Universum; also das Fundament, auf dem sich mein Denken und Handeln abspielt.
Natürlich gäbe es zu jedem einzelnen Stichwort mehr zu sagen, viel mehr. Dafür habe ich in diesem Buch die linke Seite freigehalten. Das ist der Platz, auf dem ihr Leserinnen und Leser eure Informationen, Reflexionen oder Fragen notieren könnt – und damit auch mein Universum erweitern.
ALICE SCHWARZER
Lesetour
24. Februar 2026, 19.30 Uhr, Berlin, Babylon
Buchpremiere "Feminismus pur. 99 Worte"
8. März, 19 Uhr, Hamburg, Schauspielhaus
Mit Alice Schwarzer und Nina Gummich.
21. März, 18.30 Uhr, Leipzig, "Leipzig liest"
25. März, 19 Uhr, Tübingen, Museum (Obere Säle)
26. März, 19 Uhr, Heilbronn, Volkshochschule
10. Mai, 11 Uhr, Wien, Stadtsaal
16. Mai, 16 Uhr, Berlin, Schlossparktheater
Mit Alice Schwarzer und Nena Brockhaus.
8. Juni, 20 Uhr, Köln, Gloria
26. Juni, 19 Uhr, Zürich, Bernhard-Theater

