Die Medien über Schwarzer

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Vom damals von Dir begründeten Feminismus und Deinem seitdem furchtlos und selbstbewusst ausgefochtenem Kampf für Frauenrechte, Gleichberechtigung und nimmermüdem Angriff auf die über Jahrhunderte verkrusteten Strukturen eines selbstgefälligen Patriarchats, bis zum #metoo unserer Tage war ein langer Weg. Die letzten Ereignisse in Hollywood belegen, dass es immer noch einen tief verwurzelten, männerbündlerischen Alltagschauvinismus gibt. Sie zeigen aber auch, dass Frauen selbstbewusster ihr „NEIN“ herausschreien und Rückendeckung bekommen, wenn sie ein Schwein als solches outen. An diesen Entwicklungen hast Du einen nicht groß genug zu bemessenden Anteil. Ich danke Dir neben vielem anderen, was mein Leben durch Dich geprägt hat dafür, dass, unabhängig von meinen politischen Vorlieben, meine Kinder mit der Selbstverständlichkeit aufwachsen, dass eine Frau Bundeskanzlerin ist. Und ich danke Dir dafür, auch als Mann Schwäche zeigen zu dürfen... Herzlich, dein Peter Brings, Kölner Stadt-Anzeiger

Verstehen kann ich allerdings nicht, wie aus dem Hassobjekt der verknöcherten Chauvinisten das Feindbild junger Feministinnen von heute wurde. Weil sie immer noch als erste Wahl gilt, wenn es um die Diskussion von Emanzipation geht? Leider ist keine vergleichbar eloquente Frau nachgewachsen, die sich auch nur annähernd kompetent für das Thema qualifiziert hat. Weil sie nicht weicher in ihrer Argumentation geworden ist? So geschmeidig, wie sich junge Feministinnen heute gerne darstellen, kann ein Charakter wie Alice Schwarzer nie und nimmer werden. Weil sie immer wieder neue Themen findet, die sie vereinnahmt, lange bevor andere das tun? Wie ihre kraft- und wirkungsvollen Kampagnen gegen sexuelle Gewalt, gegen Prostitution, gegen Pornografie und gegen die frauenverachtenden Auswüchse des Islamismus. Gern halte ich es mit Harald Schmidt, der in seiner Laudatio auf Alice Schwarzer, als sie zu ihrem 65. in der Frankfurter Paulskirche mit dem Ludwig-Börne-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, sagte: „Alice Schwarzer kann nerven. Aber nicht jede, die nervt, hat deshalb schon die Qualitäten von Alice Schwarzer.“ In diesem Sinne: Bitte nerve weiter, liebe Alice. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Beate Wedekind, Der Tagesspiegel

Geschlechterforscherin Stevie Schmiedel: „Wir brauchen in den Talkshows und Podien dringend eine Sichtbarkeit einer neuen feministischen Generation, die Themen wie Sexarbeit, Kopftuch oder Islam sehr viel differenzierter diskutiert als Schwarzer und ihre Kolleginnen es je getan haben.“ Stevie Schmiedel, BamS

Mehr als 80 Prozent der Deutschen kennen Alice Schwarzer. Ihre Verdienste um den Feminismus? Sind unbestritten. Die Liste ihrer Gegner? Endlos lang. Schwarzer wurde als aggressive „Hexe mit dem stechenden Blick“ und „Schwanz-ab-Schwarzer“ beschimpft. Ein falsches Bild? Sie selbst sagte jetzt über sich im Kölner Stadtanzeiger: „Ich bin kämpferisch, aber nie verbissen. Ich lache gern und viel.“ In den vergangenen Jahren wurde auch ihre Rolle als Vorkämpferin für den Feminismus infrage gestellt. Mittlerweile schade sie mit ihren überholten Positionen der Gleichberechtigung, sagt etwa Bascha Mika (63), die Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau. BamS  

"Was sie vor allem mit der Zeitschrift EMMA, dem Buch 'Der kleine Unterschied und seine großen Folgen' und der Vermittlung des Werks von Simone de Beauvoir für die Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen in der Republik erreicht hat, kann gar nicht genug gewürdigt werden", sagt Katrin Späte vom Vorstand des Berufsverbands deutscher Soziologinnen und Soziologen. Sie bewundere Schwarzer für die vielen Kämpfe, die sie trotz aller Anfeindungen "stellvertretend für andere Frauen ausgetragen" habe. Dass Alice Schwarzer auch Unterhaltung kann, weiß man spätestens, seit sie Ende der 1980er Jahre in Blacky Fuchsbergers Rate-Show auftrat. "Dass sie männerfeindlich ist, wird ihr oft zu Unrecht unterstellt", sagt der auf Väter-Forschung und Geschlechterpolitik spezialisierte Politikwissenschaftler Thomas Gesterkamp. "In der EMMA finden sich regelmäßig etwa Artikel über engagierte Väter." Barbara Driessen, epd

Sie teilt aus und steckt ein. Sie übt Kritik und wird kritisiert. Ihre Fans verehren sie, für ihre Gegner ist sie ein rotes Tuch. Alice Schwarzer polarisiert. Heute wird die „Grande Dame“ des Feminismus“ 75 Jahre alt. Und dass sie dann ein wenig ruhiger wird, ist nicht zu erwarten. Express

Ohne die 68er-Generation und ohne Alice Schwarzer würde es heute Emanzipation in vielen Bereichen nicht geben – bis hin zur Ehe für alle. Nur deshalb können wir hierzulande frei über andere Kulturen diskutieren. Es braucht überall Helden und Heldinnen, die das vorantreiben. Menschen wie Alice Schwarzer. Schauspieler Jürgen Vogel in L‘Officiel

Der Besuch im mittelalterlichen Bayenturm nah am Kölner Rheinufer begann mit einem Klischee. Auf die Nennung des eigenen Namens kam aus der Sprechanlage kratzbürstig: "Es war eine Frau angekündigt worden." Was dann folgte, war das Ende vieler Klischees. Alice Schwarzer kann charmant sein und selbstironisch, albern und intellektuell, sie ist unterhaltsam und aufmerksam. Was Deutschlands berühmteste Feministin in den vielen Jahren erbitterter Kämpfe gelernt hat: dass es besser ist, langsam zu überzeugen, als missionarisch zu bekehren. Lothar Schröder, Rheinische Post

"Hexe der Nation", "Schwanz-ab-Schwarzer" - die Namen, mit denen Alice Schwarzer in den 70er-Jahren bedacht wurde, zeigen: Die Frau polarisiert. Woran sich bis heute nichts geändert hat, wie der Streit um den Feminismus zwischen ihr und der amerikanischen Philosophin Judith Butler zeigt, oder ihre Einlassungen zu den Übergriffen nordafrikanischer Männern in der Silvesternacht 2015 oder zum Vergewaltigungsvorwurf gegen Wettermann Jörg Kachelmann. So umstritten die Person Alice Schwarzer ist, eines ist sicher: Sie hat die Bundesrepublik verändert. Hartmut Schade, MDR Kultur

Schwarzer ist eine produktive wie umstrittene Autorin. Schon bevor sie 1977 EMMA gründete, wurde sie angegriffen, angefeindet, beschimpft. Das ist bis heute so geblieben. Schwarzer machte auf sexuelle Gewalt an Kindern zu einer Zeit aufmerksam, als andere von „Spielchen im gegenseitigen Einvernehmen“ sprachen. Sie thematisierte lesbische Liebe, sexistische Werbung, forderte Frauenhäuser und dass Frauen eigene Unternehmen gründen sollen. Kurz: Ihr Handlungsrahmen und ihr Oevre reichen weit. Viele Männer trauen Schwarzer immer noch nicht über den Weg. Heute indes erntet die, ja doch, Grande Dame des Feminismus vor allem Kritik von ihren eigenen Geschlechtsgenossinnen. Schwarzer und ihr Hausblatt seien „rassistisch“ und „islamophob“. Sie beschäftige sich nur noch mit „Islam und Prostitution“, befand Stefanie Lohaus, Mitgründerin und Mitherausgeberin des feministischen Missy Magazine, vor gut einem Jahr in einem Schlagabtausch zwischen Emma und Missy im rbb. Eines darf man aber getrost vermuten: Ohne Schwarzer hätten Frauenbewegung und feministische Debatten hierzulande anders ausgesehen. Simone Schmollack, Der Freitag

Manchmal hilft ein kleines Gedankenexperiment. Man stelle sich vor, es hätte Alice Schwarzer nie gegeben. Was wäre dann aus der deutschen Frauenbewegung, dem feministischen Diskurs, überhaupt der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskussion hierzulande geworden? Helmut Hein, Mittelbayrische

Wie sieht Ihr ideales Männerbild aus? Der ideale Mann ist ganz einfach ein Mensch. Er hat sogenannte männliche wie auch weibliche Eigenschaften. Er hat die gleichen Rechte und Pflichten wie eine Frau. Er verzichtet auf Dominanz und Gewalt. Und was nun meinen ganz persönlichen Männergeschmack angeht: Ich mag lieber jungenhafte Männer als muskulöse Mannsbilder. Sarah Brasack und Joachim Frank, Kölner Stadt-Anzeiger und Berliner Zeitung Das ganze Interview lesen

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