Über Alice

Oberlauringen: Jüdische Nachbarn

Nazi-Aufmarsch in Oberlauringen.
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Dazu kehrte das einst dort evakuierte Flüchtlingskind Alice Schwarzer zurück in das Dorf, in dem es zwischen 1942 und 1948 gelebt hat. Schweren Herzens – und doch auch froh. Froh über eine unglaubliche Initiative von vier BürgerInnen, die den Spuren der „Geschichte der jüdischen Gemeinde in Oberlauringen“ gefolgt sind und sie dokumentiert haben. Sie wird die AutorInnen und ihr so beeindruckendes Buch vorstellen.

Alice Schwarzer ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal in das Dorf zurückgekehrt. 2004 entdeckte sie den vandalisierten jüdischen Friedhof am Rand des Ortes, der einst eine so große, blühende jüdische Gemeinde hatte. In der "Kristallnacht" 1938 schlug der schon lange schleichende Antisemitismus brutal zu. Es waren die eigenen Nachbarn, die die Juden des Ortes hetzten, schlugen, vertrieben. Nur wenige konnten ins Exil flüchten, die meisten wurden ermordet.

Die AutorInnen der Dokumentation über die jüdischen Nachbarn in Stadtlauringen.
Die AutorInnen der Dokumentation über die jüdischen Nachbarn (von li): Friedl Korten, Ferdinand Freudinger, Ilse Vogel und Winfried Krappweis.

Im Mai 2004 schrieb Alice Schwarzer dem Bürgermeister, Friedel Heckenlauer. Sie fragte an, ob er nicht die Restauration des Friedhofes, eine Dokumentation des jüdischen Lebens in seinem Ort und den Kontakt mit den Kindern und Kindeskindern der einstigen Nachbarn anregen wolle - und ob sie dazu beitragen könne.

Das Flüchtlingsmädchen aus Wuppertal war nicht die Einzige, die den Gedanken hatte. Heute, 20 Jahre später, ist nicht nur der Friedhof längst restauriert. Vier BürgerInnen des Ortes, zwei Frauen und zwei Männer, legen auch eine über Jahre erarbeitete schonungslos ehrliche Dokumentation des Lebens und Sterbens ihrer jüdischen Nachbarn vor – und einen Einblick in den lebendigen Austausch mit einigen von deren Kindern und Kindeskindern. Deutschland wäre ein anderes Land, wenn es in allen Städten und Dörfern Menschen gäbe, die nicht vergessen, sondern erinnern wollen.

Es ist darum für Alice nicht nur ein schwerer Gang zurück in die Vergangenheit, sondern auch eine Freude, sich zu erinnern – und schön, die vier AutorInnen dieser so bemerkenswerten Spurensuche kennenzulernen und mit ihnen gemeinsam die Dokumentation jüdischen Lebens an diesem Ort vorzustellen.

Weitere Informationen: www.stadtlauringen.de

 

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