Alice Schwarzer schreibt

Die Grünen und die Pädophilie

Über 30 Jahre lang leugneten die Grünen ihre Verantwortung. © Metodi Popow/imago
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Es waren nicht nur die Grünen. Es waren auch nicht nur die 68er. Es war der Zeitgeist, der allerdings war links bzw. liberal. Es war einfach angesagt bei (fast) allen, die sich als fortschrittlich verstanden: Dass doch nichts dabei sei, wenn Erwachsene mit Kindern... denn die wollten es doch auch. Und es war kein Zufall, dass sich diese Haltung im laufe der 70er Jahre auf breiter Front Bahn brach. Angeführt vom harten Kern der Pädophilen, die sich nun ungeniert als "Pädosexuelle" bezeichneten und als "Kinderfreunde" verklärten. "Verbrecher ohne Opfer" waren sie in der Zeit nicht nur für die taz.

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Doch es sind die 68er und ihre Erben, die Grünen, die in den ihnen nahestehenden Publikationen nicht nur das Recht der Kinder auf eine eigene Sexualität propagierten, sondern auch das Recht der Erwachsenen (sprich: Männer) auf die Sexualität mit Kindern. Die Grünen waren es, die gleich 1980 auf ihrem zweiten Parteitag die Streichung des § 176 debattierten, der die Sexualität mit Kindern unter 14 Jahren unter Strafe stellt, sowie den § 174 (sexueller Missbrauch von minderjährigen Schultzbefohlenen).

Fünf Jahre später winkte der Landesparteitag der Grünen in NRW den SchwuP-Antrag durch. Mit 76 zu 53 Stimmen wurde die Legalisierung von Sex Erwachsener mit Kindern unter 14 beschlossen, sofern es sich um "einvernehmlichen Sex" handele. Die Grünen NRW kamen nicht in den Landtag.

Inspiriert worden war der Antrag u.a. von der grünen BAG SchwuP (Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle). Der Koordinator der SchwuP, Dieter Ullmann, war da wegen Kindesmissbrauchs schon mehrfach im Gefängnis gewesen. Und übrigens war bei der SchwuP auch der Grüne Volker Beck aktiv - oder, um es mit seinen heutigen Worten zu sagen: "ein, zweimal da".

Auf der Basis des § 176, der Kindesmissbrauch mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft, wurden damals laut Spiegel jährlich 20-25.000 Täter verurteilt. Bedenkt man, dass das nur die Spitze des Eisberges ist - weil die meisten kindlichen Opfer zu verwirrt, eingeschüchtert oder abhängig sind, um sich überhaupt zu wehren -, dann ahnt man das Ausmaß des Verbrechens.

Auch nicht pädophile Männer - also mit ihrem Begehren nicht unbedingt zwanghaft auf vorpubertäre Kinder fixierte - frequentierten inzwischen den "Kinderstrich" am Bahnhof Zoo oder fuhren nach Thailand und Mexiko, um dort Kinder noch billiger zu kaufen. Die Frauen zu Hause waren einfach zu unbequem geworden - und die Kinder nicht mehr ganz so verfügbar.

Es war die Zeit, in der Roman Polanski angeklagt wurde, die 13-jährige Samantha Geimer unter Nötigung und Drogen vergewaltigt zu haben, und der Regisseur die Tat zwar gestand, sich jedoch der Gefängnisstrafe in den USA 1977 durch Flucht nach Europa entzog. In Paris lebt und arbeitet Polanski seither unbehelligt. (Und tat sich gleich nach dem Fall Geimer mit der damals erst 14-jährigen Nastassja Kinski zusammen.) Als das Verfahren in Amerika 2009 wieder hochkam und die US-Richter die Auslieferung Polanskis forderten, konnte der bekennende Päderast sich der Sympathie einer überwältigenden Mehrheit im europäischen Kulturmilieu sicher sein. Polanski hat in Europa bis heute mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen.

Es war auch die Zeit, in der EMMA beim Presserat einen Antrag auf Rüge wegen Kinderpornografie stellte. Anlass war ein Spiegel-Cover im Mai 1977, auf dem eine 12-Jährige abgebildet war. Titelzeile "Die verkauften Lolitas". Eva Ionesco, die Tochter des Dramatikers, hat später als Erwachsene ihre Mutter verklagt. Die Fotografin Irina Ionesco hatte die Fotos gemacht und verkauft. Die Tochter fühlte sich missbraucht und forderte die Zensur dieser weltweit von ihr als "Lolita" kursierenden Bilder. 2012 bekam sie recht, doch nur zum Teil.

Die propädophile Ideologie von damals wirkt bis heute nach, ja ist in der grenzenlos verbreiteten Pornografie inzwischen allgegenwärtig.

Dennoch: Wenn heute Wahlen wären, würden 39 Prozent aller EMMA-Leserinnen die Grünen wählen. Das ergab unsere Leserinnen-Analyse 2013. Das zeigt, dass die Grünen es verstanden haben, diese dunkle Seite ihrer Politik vergessen zu machen. Honoriert wird eine gewisse Frauenpräsenz (vom "Feminat" 1984 bis zu Künast oder Göring-Eckardt heute), sowie die Übernahme feministischer Forderungen, die Finanzierung von Projekten wie Frauenhäuser etc.

Doch in der Sexualpolitik, dem Kern des Feminismus, sieht es bei näherem Hinsehen schon ganz anders aus. So waren und sind die Grünen weiterhin gegen jegliche Einschränkung von Pornografie. Und sie sind die Vorreiter einer Verharmlosung von Prostitution, für sie "ein Beruf wie jeder andere". Das passt zur Verharmlosung des Missbrauchs von Kindern: Die herrschenden Alt-Grünen sind gegen Herrschaftsverhältnisse im gesellschaftlichen Bereich, leugnen jedoch die Machtverhältnisse im Privaten. Das gilt für das Machtgefälle zwischen Freiern und Prostituierten ebenso wie für das zwischen Erwachsenen und Kindern. - Dürfen wir also auch bei der Prostitution, diesem "Beruf wie jeder andere", nun 30 Jahre warten, bis ihre Verharmlosung und Akzeptanz als Skandal empfunden wird?

Übrigens gleicht sich die Argumentation frappant: Ganz wie die Kinder mit den Pädophilen machen es die Frauen mit den Freiern angeblich "einvernehmlich" und "freiwillig" - und es ist doch auch eigentlich nichts dabei, oder? Noch 1988 forderte der heutige parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, in einem Beitrag für die Pädosexuellen-Streitschrift "Der pädosexuelle Komplex" eine "Entkriminalisierung der Pädosexualität". Und heute? Er distanziet sich inzwischen davon. Doch propagiert er nun im gleichen Geist die Verharmlosung und Akzeptanz der Prostitution. Beck wörtlich: "Wenn Leute etwas anbieten, andere es kaufen wollen und es keine ökologischen oder sozialen Nebenwirkungen gibt, die man dringend unterbinden muss, dann nehme ich das zur Kenntnis und störe mich nicht weiter daran." Das erklärte Volker Beck jüngst apropos der Prostitution. - Sexualität als Ware. Man kann einen solchen Grad an Zynismus kaum fassen.

Diese "Art von Sexualdarwinismus" begann in den 70er Jahren: "Das Recht des Stärkeren über den Schwächeren. Keiner fragt mehr: Wie kommt das in mich rein? Was richte ich damit an? Da wird nur noch gefragt: Was tue ich mir an, wenn ich meinen Bedürfnissen nicht nachkomme?" Der das 1980 sagte, stand nicht gerade im Verdacht, prüde zu sein oder etwas gegen die 68er zu haben. Im Gegenteil. Er war selber einer und schrieb mit "Sexfront" die Bibel der sexuellen Befreiung Jugendlicher. Es ist (der inzwischen verstorbene) Günter Amendt.

In dem Gespräch, das ich im Frühling 1980 für EMMA mit ihm führte, war es für den 68er selbstverständlich, auch die Frauen im Blick zu haben. Amendt: "Ich halte das auch für eine Reaktion auf das Nicht-mehr-so-zur-Verfügung-Stehen der Frauen. Schon ist man beim Kind gelandet." Der Sexualpädagoge, zu der Zeit auch Vorstandsmitglied der "Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung", und ich, wir kamen von zwei verschiedenen Seiten: er von der linken, ich von der feministischen. Doch uns einte die Sorge um die Schwächsten im Glied: die Kinder. Denn ihnen drohte nun im Namen der "sexuellen Freiheit" die totale Auslieferung an die Erwachsenen.

Wir führten das Gespräch im Wahljahr 1980, wenige Wochen nach Gründung der Grünen als Partei im Januar und ein paar Wochen vor dem "Marsch auf Bonn" (Spiegel) der Pädophilen, zu dem die "Allgemeine Homosexuelle Arbeitsgemeinschaft" (AHA) aufgerufen hatte. Die AHA forderte "die Abschaffung der Bestrafung von Sexualität überhaupt" und präzisierte, dass dies auch "für Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern" zu gelten habe.

Keineswegs nur die Partei der Grünen hatte dieses Anliegen zu ihrer Sache gemacht. Gewisse Kreise in der FDP standen der Forderung auf "Freiheit für Pädophile" ebenfalls sehr wohlwollend gegenüber.

Den Marsch durch die Institutionen hatten die Pädophilen Anfang der 70er Jahre angetreten - und zwar da, wo die Kinder sind, unter Pädagogen. So hatte die progressive Fachzeitschrift betrifft: Erziehung 1973 orakelt: "Schadet es Kindern, wenn über Sexualität zwischen Erziehern und Erzogenen nicht nur gesprochen wird?" Zwischen Erziehern und Erzogenen. Hier ging es also noch nicht einmal "nur" um Erwachsene und Kinder, sondern auch noch um Lehrer und Abhängige. Passend dazu veröffentlichte das Pädagogenblatt eine Karikatur, die darüber spöttelte, dass man für Gewalt gegen ein Kind nur drei Monate Gefängnis mit Bewährung bekäme - für "Schmusen" mit dem Kind jedoch fünf Jahre ohne Bewährung.

In diesem Diskurs waren die homosexuellen Pädophilen federführend, obwohl die heterosexuellen Pädophilen in der Mehrheit sind. Sie vermischten ihre Forderung geschickt mit dem Kampf gegen die Diskriminierung Homosexueller. Und sie setzten Pädophilie (Sex mit nicht geschlechtsreifen Kindern) gleich mit Päderastie (Sex mit minderjährigen Jugendlichen). Darum war das Gespräch zwischen dem offen homosexuellen Amendt und mir auch durchaus strategisch gedacht: Wir hofften, damit sowohl in die (frauen)politische wie linke als auch in die (sexual)wissenschaftliche Szene einzuwirken. Denn wir waren uns einig in der grundsätzlichen Haltung: Es handelt sich bei der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern - ganz wie der zwischen Männern und Frauen - um eine ungleiche, also um ein Herrschaftsverhältnis. Pädophilie ist eine emotionale und sexuelle Ausbeutung Schwächerer.

Die Gesetzesänderung konnte verhindert werden. Doch der Geist, in dem ernsthaft darüber nachgedacht wurde, hält bis heute an. Und da spielten die Grünen und mit ihnen die taz eine entscheidende Rolle.

Der als links geltende Rechtswissenschaftler Rüdiger Lautmann zum Beispiel konnte ungestört weiter an der Universität Bremen lehren, obwohl er bereits 1978 den sexuellen Missbrauch von Kindern als "Straftaten ohne Opfer" bezeichnet hatte. Auf dem Deutschen Soziologentag im April 1979 war Lautmann dann maßgeblich an dem Antrag beteiligt, den Pädophilie-Paragraphen 176 ersatzlos zu streichen. Wer hätte ihn auch stören sollen? Zusammen mit Lautmann, der den "Arbeitskreis Homosexualität und Gesellschaft" initiiert hatte, forderten die FDP-nahe "Humanistische Union" ebenso wie die "Schwulengruppen" der Jungdemokraten, Jungsozialisten und die "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" die ersatzlose Streichung des § 176. Wäre das nicht verhindert worden, wäre der sexuelle Missbrauch von Kindern heute in Deutschland straffrei.

Damals war dieser Geist nicht nur Teil des Backlash auf die Emanzipation der Frauen, sondern auch eine Reaktion auf die öffentliche Benennung und Verurteilung des größten Tabus: des Missbrauchs von Kindern. Der passiert, wie wir heute wissen, in drei von vier Fällen innerhalb der Familie und ihrem Umkreis, und er betrifft jedes vierte bis dritte Mädchen sowie jeden zehnten bis zwölften Jungen.

Als EMMA 1977 erstmals über Inzest/Missbrauch schrieb, versank das Dossier im Schweigen, sowohl bei den Leserinnen wie bei den Medien. Es war zu früh. Das Tabu war noch zu mächtig. Doch in den 80er Jahren bildeten sich erste Selbsthilfegruppen, drang das Drama allmählich an die Öffentlichkeit.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. 1991 lancierte der Sozialpädagoge Reinhart Wolf das Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs". Der Rektor der Alice-Salomon-Fachhochschule und Gründer der "Kinderschutzzentren" (!) sowie seine Frau Angela diagnostizierten in der linken Pädagogenzeitschrift Päd Extra den "sexualpolitischen Rollback einer Anti-Sex-Allianz". Die setze sich zusammen aus "religiösen Rechten und einem Teil der feministischen Bewegung". Wolf war als Vorsitzender des SDS (Sozialistischer Studentenbund Deutschland) in den 68ern ganz wie Amendt einer der Leader der Studentenbewegung gewesen. Mit der hatten autonome Feministinnen sich als erste angelegt wg. besonders bigottem Machotums.

1992 veröffentlichte Katharina Rutschky, eine ehemalige Lehrerin, in dem linken Klein-Verlag ihre Schrift "Erregte Aufklärung". Ein paar Jahre zuvor war sie erstmals in den Medien aufgetaucht, als Streiterin gegen EMMAs PorNO-Kampagne: Das sei neue Prüderie und Männerhass. Rutschky, die 2010 verstarb, blieb bis zuletzt auf Antifeminismus spezialisiert und machte sich damit als "Essayistin" einen Namen.

In dem Kampf von Feministinnen gegen den Missbrauch von Kindern ortete Rutschky in "Erregte Aufklärung" die pure "Wahnbildung" und einen "dogmatischen Männerhass". Ihre Hauptgegnerinnen waren, neben EMMA, die Selbsthilfeorganisationen Wildwasser und Zartbitter. Ihnen warf sie als Motiv die Absicht der Bereicherung via Fördergelder und Planstellen vor. Bei der Eröffnung eines Kongresses der Pädophilen(freundlichen)-Organisation AHS erklärt Rutschky, die Schließung dieser Selbsthilfeorganisationen sei ihr "größter Weihnachtswunsch".

Rutschky erhielt über lange Jahre viel Beifall, von taz bis FAZ. Das von ihr popularisierte Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs" wurde zur gängigen Redewendung und spielt seither in fast jeder einschlägigen Gerichtsreportage der Spiegel-Reporterin Gisela Friedrichsen sowie bei vielen GerichtsgutachterInnen eine Rolle; übrigens längst eine größere Rolle als der Missbrauch selber.

Überflüssig zu sagen, dass Rutschky und Wolf zusammenarbeiteten. Sie bedankte sich in "Erregte Aufklärung" bei ihm für die "Anregung" zum Buch. Und beide waren sowohl mit der bekennenden Pädophilen-Vereinigung ZEGG sowie der FDP-nahen AHS verbandelt.

Das waren Zeiten. Wenn einer wie der renommierte Sozialpädagoge Helmut Kentler, Professor an der Universität Hannover und Gerichtsgutachter, in seinen "wissenschaftlichen" Schriften allen ernstes den Richtern empfahl, straffällige Jugendliche "bei pädagogisch interessierten Päderasten" unterzubringen - dann schrie niemand Skandal (nur EMMA), sondern wurde zustimmend genickt. Tatsächlich ergingen Urteile, die "Kinderfreund" Kentlers guten Rat befolgten und die Jungen den Pädophilen quasi auf Gedeih und Verderb auslieferten. Denn die mussten sich ja auch noch erkenntlich zeigen bei den "Kinderfreunden". Übrigens: Kentler gründete in Bielefeld zusammen mit Hartmut Hentig die "Laborschule" (womit wir ganz dicht an der Odenwald-Schule wären).

Und heute? Vor 20 Jahren sprach ein Richter in New York ein vernichtendes Urteil gegen einen Mann, den wir alle kennen und den viele bis heute uneingeschränkt schätzen. Der Mann heißt Woody Allen.

Richter Elliot Wilk erkannte 1993 den auf Sorgerecht für seine Kinder Klagenden als "schuldig in allen Punkten" und erteilte der Beklagten, Mia Farrow, das alleinige Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder. Er verurteilte moralisch das Verhältnis von Woody Allen zu seiner "sozialen" Tochter Soon-Yi hinter dem Rücken von Mia Farrow (die damals Minderjährige ist heute die Ehefrau von Allen).

Die New York Times: "In einem vernichtenden Urteil von 33 Seiten warf Richter Wilk Herrn Allen vor, er habe mit einer Tochter seiner Lebensgefährtin eine Liebesaffäre begonnen, habe Familienmitglieder gegeneinander aufgewiegelt und habe von den wichtigsten Dingen im Leben seiner Kinder keine Ahnung. Der Richter beschrieb Woody Allen als einen 'eigennützigen, unzuverlässigen und unsensiblen' parent. Das Gericht stellte in so gut wie allen Punkten seine elterliche Eignung in Frage und nannte Allens Verhalten den Kindern gegenüber 'missbrauchend und gefühllos'."

Auch hielt der Richter den vom Kinderarzt angezeigten sexuellen Missbrauch der damals siebenjährigen Dylan keinewegs für ausgeschlossen; wenn auch nicht für beweisbar, die Indizien seien "unklar". Es war Dritten aufgefallen, dass die kleine Dylan Angst vor ihrem Vater hatte und wie ein Baby brabbelte oder wie ein Hund bellte, sobald er auftauchte. Befragt warum, erklärte das Mädchen immer wieder, er habe sie "überall geküsst" und seine Finger in sie "reingesteckt": "Er hat gesagt, wenn ich in dem Film vorkommen will, bleibt mir nichts anderes übrig. Er hat einfach immer wieder reingestoßen."

Woody Allen ist, ganz wie Roman Polanski, bis heute ein Kult-Regisseur und Ehrengast auf allen Filmfestivals. Wie es den von ihnen missbrauchten Kindern geht, fragt niemand. Stimmen, die, bei allen künstlerischen Verdiensten, an die moralischen Verfehlungen dieser Männer erinnern und damit auch an die Fragwürdigkeit solcher Idole, gelten als "sex negativ", prüde und rachsüchtig. Man muss doch auch mal vergessen können...

Vergessen möchten auch die altgedienten Grünen, die entweder von Anbeginn an mitgemacht haben oder aber seit Jahrzehnten Verantwortung tragen für das Verschweigen und Weiterwurschteln. Die Älteren schicken jetzt die Jüngeren vor, die sich "auf die Gnade der späten Geburt berufen" können, spottete Die Welt.

Ganz zu schweigen von Daniel Cohn-Bendit, 68, der als Person das Verbindungsglied zwischen 68ern und Grünen ist. Der hatte in seinen 1975 veröffentlichten Lebenserinnerungen munter von seinem Streichelsex als Kindergärtner mit einer Fünfjährigen berichtet. Fast vierzig Jahre lang sah der Paradelinke keinen Grund, sich selbstkritisch dazu zu äußern oder gar zu entschuldigen. Auf meinen Text von 2001 reagierte er bis heute nicht. Nun in die Enge getrieben, behauptet Cohn-Bendit einfach, diese Passage in seinen Lebenserinnerungen sei "Fiktion" gewesen. Wohlwollender Kommentar der Alt-Grünen Marieluise Beck in der Zeit: "Dany ist jemand, mit dem öfter mal die Pferde durchgehen."

Ein Wissenschaftler, der Parteienforscher Prof. Franz Walter, soll es jetzt richten. Ihn beauftragte die Partei mit der Aufarbeitung der Rolle der Grünen bei der Verharmlosung bzw. Propagierung von Sex mit Kindern. Auf seinen Bericht darf man in der Tat sehr gespannt sein. Und nach Abschluss könnte er sich auch von der FDP mit der gleichen Aufgabe betreuen lassen.

Doch auch die Medien dürfen sich durchaus nach ihrer Verantwortung fragen. Ich erinnere mich nur zu gut, wie ich 2010 zu Beginn des Ruchbarwerdens des Missbrauchs in katholischen Internaten in einer Live-Talkshow auch auf den Skandal in der Odenwald-Schule, also im progressiven Milieu, hinwies. Die Moderatorin schnitt mir hart das Wort ab. Als ich im Verlauf der Sendung noch einmal darauf aufmerksam machen wollte, fiel meine Anmerkung ins Leere. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits alles über die Odenwald-Schule auf dem Tisch lag.

Es ist also gut, dass endlich auch darüber geredet wird.

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