Schwarzer vs. Schröder: Keine Altersfrage

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Gibt es eigentlich noch eine andere Bevöl­kerungsgruppe, ein anderes Thema als das der Frauen & des Feminismus, bei dem der Grad der Fortschrittlichkeit angeblich eine Frage des Alters ist? Je jünger, je fortschritt­licher? Wäre es zum Beispiel vorstellbar in der Außenpolitik, dass man bei einer Kritik von Genscher an Westerwelle sagen würde: Der Alt-Außenminister ist nur eifersüchtig auf den jungen Außenminister, weil der nicht so alt ist wie er? Nein, das wäre grotesk.

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Und gibt es eine andere politische Theorie als die des Feminismus, die ein Jahrtausende altes Problem analysiert – und von der nach drei, vier Jahrzehnten gesagt wird: Das ist von gestern, längst erledigt, nicht mehr aktuell? Nein, politische Theorien, die nur ein paar Jahrzehnte alt sind, gelten gemeinhin als jung.

Die Strategie, den Feminismus – der in der Menschheitsgeschichte offensichtlich in regelmäßigen Wellen auftaucht und dann immer wieder verebbt – für überholt und gestrig zu erklären, hat letztendlich nur Vorteile für die Antifeministen: Wir Frauen müssen immer wieder bei Null anfangen. Und wir lernen, uns gegenseitig zu misstrauen, nichts voneinander begreifen, nichts lernen zu wollen. Die Jüngeren nicht von den Erfahreneren – und die Älteren nichts von den Jüngeren, weil sie gegeneinander ausgespielt werden. Ein alter Trick, den der Feminismus doch schon mal durchschaut hatte, oder?

Also: Meine Kritik an der CDU-Ministerin Schröder hat Null mit ihrem Alter zu tun – so wenig wie das bei ihren Positionen eine Rolle spielt. Was Schröder als Ministerin bisher getan und gesagt hat, fände ich genau so unzureichend oder falsch, wenn sie nicht 32, sondern 62 wäre.

Unsere Kontroverse hat etwas mit Inhalten zu tun! Frau Schröder und ich haben tiefgehende unterschiedliche politische Positionen. Und darüber kann, ja muss man reden.

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