PRESSESPIEGEL

Heine-Gabe für Schwarzer

Zur Verleihung der Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft am 17. Februar 2006 an Alice Schwarzer in Düsseldorf erschienen zahlreiche Kommentare. Hier zwei, von denen der einer (FAZ) nach der Verleihung geschrieben wurde, der andere (Jüdische Allgemeine) vorab:

Danach ging's hinüber ins Opernhaus, wo Alice Schwarzer die Ehrengabe der Heine-Gesellschaft bekam. Der Rahmen für die undotierte Auszeichnung fiel imposanter aus als manche Verleihung des großen Heine-Preises, handelte es sich doch auch um den Auftakt zum Jubiläumsjahr. Mit dem Oberbürgermeister, dem Ministerpräsidenten, dem französischen Botschafter, dem Heine-Institutsdirektor und auch, als eigentlichem Laudator, Avi Primor, traten gleich fünf gestandene Männer an, die Feministin zu preisen, während zwei Frauen, die Schauspielerin Hanna Schygulla und die Mezzosopranistin Laura Nykänen, für die Dekoration sorgten. Dass sie die Auszeichnung verdient hat, vermochte keiner so gut begründen wie die Geehrte selbst, verstand sie es doch, statt pauschaler Lobesworte für Heine ihr zwiespältiges Verhältnis zu ihm zu erklären: Heine, so Schwarzer, habe "die Begegnung mit Frauen als Gleiche nicht nur nie gesucht, sondern tunlichst gemieden" und sei als freiheitlich gesinnter Autor gegen die Emanzipation der Frau gewesen, "weil er von ihrer Abhängigkeit profitiert" habe. "Auch darin ist Heine ein sehr moderner Mann." So gelesen und nicht ehrfürchtig bereit, ganz mit ihm mitzugehen, könnte die Losung des Heine Hauses doch mehr als eine rhetorische Floskel sein: "Vorsicht: Heine ist wieder da!"Andreas Rossmann, FAZ 20.2.2006


Zu seinem 150. Todestag ist Heinrich Heine zum Selbstbedienungsladen für alles und jeden geworden. Der "Rabenclan e.V., ein Arbeitskreis für Heiden in Deutschland" feiert "Heines Freundschaft mit den Heidengöttern" in einer Textsammlung. Die Betriebsnudel Alice Schwarzer wird von der offensichtlich völlig geistverlassenen Heinrich-Heine-Gesellschaft im Düsseldorfer Opernhaus mit einer "Ehrengabe" bedacht, was sich nur als Beleidigung des Namensgebers verstehen lässt, ausgesprochen von Leuten, die den Unterschied nicht kennen zwischen Verfolgung und Exil einerseits und lebenslanger medialer Selbstvermarktung auf Dirk-Bach-Niveau andererseits. Dann doch lieber Heine als Teddybär. Klaus Bittermann (auch Autor von taz und Junge Welt) in der Jüdischen Allgemeinen, 16.2.2006

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