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Quotenfrau Nr. 1 ist Kanzlerin Merkel!
Keine Frage: Eine stolze Frau kann eigentlich nur gegen die Quote sein! ICH schaffe es auch so. ICH habe keine Lust, an der hart erarbeiteten Spitze neben „staatlich geförderten Quotenfrauen“ zu landen. ICH finde, die anderen Frauen sollen sich einfach auch mehr anstrengen. Darauf baut die Titelgeschichte von Focus in dieser Woche: „Wir wollen keine Frauen-Quote!“ „Wir“, das sind nicht nur die üblich Verdächtigen wie Frauenministerin Kristina Schröder und Kanzlerinnen-Neiderin Gertrud Höhler oder die ach so liberale Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Wir“, das sind auch nicht nur Frauen, die es ganz anders geschafft haben, wie die Darstellerinnen Simone Thomalla oder Veronica Ferres. „Wir“, das sind auch nicht nur tüchtige Erbinnen wie Gabriele Quandt, Annette Roeckl oder Simone Bagel-Trah (Henkel). „Wir“, das sind auch taffe Frauen wie die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard oder die Frankfurter Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth. „Wir“, das war vor noch gar nicht so langer Zeit auch ich.
Denn an eines muss an dieser Stelle erinnert werden: Die Forderung nach der Frauenquote kommt keineswegs aus der Frauenbewegung – sie kommt aus der Parteipolitik. Und jetzt ist sie in der Wirtschaft gelandet, wo es noch mehr weh tut als in der machtloseren Politik. Den Männern weh tut, die ihre Spitzenplätze räumen müssten für Frauen. Genau die Sorte Mann sieht seine Interessen seit längerem aufgeregt vertreten in Focus, eine Festung der Männerängste vor starken Frauen.
Als in den 1970er Jahren die Frauenbewegung aufbrach, weit über das Verhältnis zwischen Frauen und Männern hinaus die ganze Republik umzukrempeln, da strömten die Frauen nicht nur in die Frauenzentren, sondern auch in die Parteien, von links bis rechts. Denn sie hatten die Hoffnung, in den Parteien die Politik mitprägen zu können. Aber Pustekuchen. Die Jungs auf Posten hatten keinen Bock zum Rücken. Ja, sie dachten noch nicht einmal im Traum daran, die Frauen als Kandidatinnen aufzustellen.
Als erste rebellierten die Aufstand-geübten grünen Frauen. Sie führten gleich bei Parteigründung 1980 die 50/50-Quote ein. Und als das nicht fruchtete, weil die Jungs die Politik jetzt einfach im Kaminzimmer entschieden, putschten sie 1984 kurzfristig mit dem so genannten „Feminat“: sechs Frauen an der Spitze.
Erst zehn Jahre später, 1990, folgte die SPD mit einer 40-Prozent-Quote für Ämter und Mandate. Die CDU brauchte noch weitere sechs Jahre, bis sie 1996 das so genannte „Frauenquorum“ einführte – der Begriff Quote schien nicht zumutbar – nach dem ein Drittel der Ämter von Frauen besetzt werden muss. Ihre Schwesterpartei CSU wartete noch mal weitere 14 Jahre und schrieb dann 2010 glatte 40 Prozent für Frauen in Parteiämtern fest. Die tüchtige Ilse Aigner (CSU), die heute gegen eine Frauenquote in der Wirtschaft plädiert, würde wohl ohne die Quote in der Politik noch nicht einmal existieren.
Das sensationellste Resultat der formellen bzw. informellen Quote in den Parteien ist die heute „mächtigste Frau der Welt“ (Times), die Bundeskanzlerin. Angela Merkel ist eine Quoten-Frau. Das sagt sie auch selber, weil sie immerhin ein gutes Gedächtnis hat. Als die bis dahin völlig unbekannte junge Wissenschaftlerin aus der DDR 1991 überraschend Frauenministerin in Kohls Kabinett wurde, da besetzt „Kohls Mädchen“ (wie sie impertinent in den Medien genannte wurde) gleich eine informelle Doppelquote im Bonner Kabinett: als Frau und als Ossi. So hatten die Westmänner schon mal einen Quotenplatz in der Regierung gespart bzw. für sich retten können. Seit 2005 ist Angela Merkel Kanzlerin. Spätestens dieser Coup hat mich überzeugt.
Eine „Quotenfrau“ zu sein, ist keine Schande. Die Chefzimmer wimmeln von Quotenmännern. Die Männerbündler lassen auch den dämlichsten Kerl nicht im Regen stehen. Warum also sollten nicht endlich auch Frauen, weil sie Frauen sind – und außerdem selbstverständlich angemessen qualifiziert und tüchtig, das ist Voraussetzung! – drankommen? Es geht ja auch nur um eine 40-Prozent-Quote im Aufsichtsrat von DAX-geführten Unternehmen bis 2020. Übrigens: Egal, wie die Debatte in Deutschland läuft: Die EU wird uns schon auf die Sprünge helfen. Denn für sie sind die 40 Prozent bis 2020 beschlossene Sache.
Dass die Frauen deswegen zu Frauenbündlerinnen werden, ist nicht zu befürchten bzw. zu hoffen. Zu tief ist seit Jahrtausenden die Tradition der Rivalität unter Frauen, von denen ja bis vor gar nicht so langer Zeit jede einzelne zum Überleben auf die Gunst eines Mannes bzw. der Männer angewiesen war. Jede andere Frau war also eine bedrohliche Konkurrentin. - Aber wir haben ja noch ein paar tausend Jahre zum Üben.
Es bleibt jedoch dabei, dass die Quote nur eine Krücke sein kann und keine Lösung. Und sie ist ja auch nicht unheikel. Denn fängt man erst einmal an, für eine Bevölkerungsgruppe Sonderrechte einzuführen – wo hört man dann auf? Focus zitiert die Diversity-Managerin von Ford, Brigitte Kasztan, mit folgendem interessanten Argument gegen die Quote: „Da wir dann gleichermaßen Quoten für Migrationshintergrund, Alter, Behinderung oder sexuelle Orientierung schaffen müssten.“
Da ist prinzipiell gesehen etwas dran. Das Recht sollte universell sein und bleiben. Denn alle Menschen sind gleich. Nur zieht sich die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen nun durch Jahrtausende der Menschheitsgeschichte und ist, wie auch Patriarchatsforscherinnen wie Gerda Lerner belegen, die Urkonstellation unserer Oben/Unten-Gesellschaft: auf der Geschlechter-Hierarchie bauen alle anderen Hierarchien auf. Und sie lässt sich biologisch so fatal eindeutig festmachen – was weder für das Alter (älter werden wir alle mal, jung waren wir alle mal), die Homosexualität (die Grenzen zwischen der kulturell geprägten Hetero- und Homosexualität sind fließend), noch für den Migrationshintergrund (Stichwort Integration) gilt.
Und die Quotenfrau Nr. 1 der Republik? Angela Merkel hält sich zurück. Die Bundeskanzlerin möchte nicht den konservativen Flügel ihrer eigenen Partei ausgerechnet wegen der Frauen verärgern. Mal wieder! Offiziell unterstützt sie die arg naive Anti-Quoten-Position ihrer Frauenministerin, die bisher eher als Männerministerin von sich reden machte. In Richtung Frauen allerdings raunte die Kanzlerin jüngst: „Meine Geduld bei dem Thema geht zu Ende.“ – So geht es uns schon länger, Frau Bundeskanzlerin.
Alice Schwarzer
Zum Weiterlesen:
Dagmar Deckstein: Du fragst mich nach der Quote… (EMMA 1/2013)
Alle Artikel zum Thema im digitalen EMMA-Lesesaal
- 11 Kommentar(e)




"Ich bin eine klassische Quotenfrau!"
Schön, wenn eine führende Koalitionspolitikerin das mit der Quotenfrau genauso sieht und es auch sagt: Die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer, erkennt sich auch als "Quotenfrau", denn auch bei "Besetzungen von männlichen Bewerbern spielen neben der Qualifikation auch andere Gründe eine Rolle". Aussprechen, wie es ist, Danke dafür! Quelle: http://www.powerfrauen.net/2013/04/annegret-kramp-karrenbauer-ich-bin-eine-klassische-quotenfrau/
Herr
ihr beitrag hat keienrlei bezug auf mein gesagtes genommen. sicherlich sind frauen udn mönner img roßen udn ganzen gleich begabt was amteh angeht, aber auch ind er mathematik gibt es felder in denen sich männer hervortun und es gibt felder in denen frauen sich hervor tun. ich versteh nicht wie mand a verlangen kann keine unterscheidung zu machen. die unterschiede sind da und sollten doch wohl mit in entscheidungen einfließen dürfen. warum etwa müssen frauen in aufnahmeprüfungen bei bund und polizei weniger leisten als männer? denkt man dort das der kriminelle/gegnerische soldat extra einen gang runter schaltet nur weil er eine frau vor sich hat?
Sie sehen nur, was Sie sehen wollen
Unfassbar, wie Sie meinen Beitrag hier versuchen, zu konterkarieren. Ich habe gesagt, dass man Männer und Frauen nicht miteindander vergelichen sollte, da ein solcher Vergleich nicht funktioniert. Männer sind nicht mathematissch begabt, und sie sind nicht mathematisch unbegabt. Solche Ausssagen sind Unsinn, weil es mathematisch sehr begabte, mittelmäßig begabte und unbegabte Männer gibt, und mathematisch sehr beegabte, mittelmäig begabte und unbegabte. daamit Sie es besser verstehen: Sie könnten auch die Menschehn in diejenigen einteilen, die eeinen Pullover anhaben und in solche, die ein T-Shirt anhaben. Die Crux de Frauen ist es, dass ihnen früher das Gerhirn ganz abgesprochen wurde. seitdem die Männer nicht mehr behaupten lkönnen, dass Frauen kein Ghirn haben, suchen sie verzweifelt nach statistischen Unterschieden. Und in diese Falle sollten wir Frauen nicht gehen. Jetzt verstanden?
Wo bitte gibt's denn Männerquoten?
Quoten sind der Zwang, jemand bevorzugen oder benachteiligen zu MÜSSEN. Sorry, nirgendwo steht geschrieben, dass Männer bevorzugt werden MÜSSEN. Meine Erfahrung: Eine nicht geringe Anzahl Frauen verzichtet von sich aus auf Karriere. Manche sogar schon vor dem Einstieg. Ich hörte Statements wie: "ich lebe nicht nur für die Arbeit"; "meine Vorstellung vom Glück ist anders"; "gebe ich der Firma den kleinen Finger, will sie die ganze Hand"; "Familie ist mir wichtiger" u.v.A. mehr. Keineswegs waren das alles Mütter. Kinderlose Ärztin, Biologin, Dipl.Kauffrauen, Betriebswirtinnen, Technikerinnen usw. war(en) auch drunter. Übrigens sagte keine dieser Frauen, wie möchten Haupt- oder Alleinernährerin Ihrer Famielie sein.
Quoten (egal welche) sind Diskriminierung
Angenommen es gäbe eine Geschlechterquote von 40% für Grundschullehrer(innen), die bis 2020 zu erfüllen ist. Was ist die Folge? Keine einzige derzeitige Pädagogikstudentin hätte eine Chance auf eine Stelle! So viele Stellen werden bis dahin gar nicht frei, umd sie mit Frauen besetzen zu können, denn es müssten ja die Männer bevorzugt werden bis die Quote erreicht ist. Wäre das fair den jungen Lehramtsstudentinnen gegenüber? Was außerdem skandalös an Quoten ist: Es wird gar nicht gefragt, ob die dadurch "positiv" diskriminierte Bewerber(in) Allein- oder Haupternährer ihrer Familien ist. Die Einen sind (ggf. kinderlose) Doppelverdiener, während die Anderen nicht wissen, wie sie Ihre Familie ernähren sollen ...? Seltsames Verständnis von Gerechtigkeit ...
Herr
Und wieder wird von Frau schwarzer vollkomemn außer acht gelassen das es eben an für das Managment quailifzierte Frauen nicht wie Sand am Meer gibt. Das der Großteil der Frauen keine Ambitionen hat entsprechende Studienrichtungen einzuschlagen, ist kein Problem der Wirtschaft. Wenn überhaupt können sie das der Sozialisation ankreiden, bloß da kann die Politik eben nicht reinfuchteln. Muellersuanne (ich nehm and as da ausversehen ein 'S' vergessen wurde?) hat schon recht wenn sie sagt Männer und Frauen sind unterschiedlich begabt. Lustigerweise scheint dies aber immer nur dan akzeptiert zu sein wenn es zum Nachteil der Männer ausgelegt wird. Frauen z.b. parken schlechter ein als Männer. Das liegt darin begründet das Frauen ein schlechteres räumliches Sehen haben. Das mag gemein klingen ist aber nicht wegzuregulieren. Unterschiede sollten akzeptiert und nicht versucht werden durch Politik auf dem Papier angeglichen zu werden.
pro Frauenquote
So lange es eine unausgesprochene Männerquote gibt, brauchen wir eine Frauenquote. Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass in vielen deutschen Unternehmen Frauen einzig und alleine wegen ihres zweiten X-Chromosoms nicht nach ganz oben kommen können. Denn die inoffizielle Männerquote sagt: "der Vorstand ist für die Männer reserviert!" Und was kann man dem Ego einiger Männer und dem allgemeinen antiquierten Denken denn schon entgegen stellen -außer einer Quote?
Solidarität unter Frauen
Das ist eine schwierige Sache. Jede Frau wird zum Durchschnitt erklärt, Frauen werden von Kind an zur Durchschnittlichkeit erzogen. Will man sich dagegen wehren, erklärt Frau Frauen gerne „für mathematisch genauso begabt wie Männer“, was eine unsinnige Aussage ist, denn Männer sind mathematisch völlig unterschiedlich begabt, genauso wie Frauen. Dazu ein Bild: Einem musikalisch begabten Mädchen wird prognostiziert, für ein Orchester wird es später schon mal reichen, obwohl sie vielleicht die Begabung zur Solistin hätte. Dann muss Frau lernen, sich in das Orchester einzufügen. Schafft sie das nicht, ist für die Männer mal wieder bewiesen, dass Frauen keine musikalischen Höchstleistungen bringen, weil sie zu unbegabt und/oder nicht einsatzbereit sind. Gegen diesen typischen Lebensweg einer Frau und die daraus resultierenden statistischen Ergebnisse sollten wir uns wehren. Wir sollten die Unterschiede zwischen uns deutlich machen, ohne uns in die Falle des „Zickenkrieges“ locken zu lassen.
Wo bleibt der Titel "Ich bin stolz darauf, eine Quotenfrau zu sein!"?
Der Focus-Titel ist skandalös. Wieso fallen gerade "schlaue" Frauen immer wieder auf diese Spalterei herein? Wieso durchschauen sie das Spiel nicht? Warum wollen sie, dass nachfolgende Frauengenerationen es genauso schwer haben wie sie auch? Gönnen sie ihren Töchtern nichts? Wieso denken sie so kurzfristig und haben die gesellschaftliche Entwicklung nicht im Blick? Wollen sie wirklich eine Gesellschaft, in der Frauen Frauen im Weg stehen? Wem wollen diese Frauen durch dumme, rückwärts gewandte Aktionen wie diesen Focus-Titel etwas beweisen? Ich wünsche mir mal einen Titel ähnlicher Machart mit 20 Frauen, die sagen: "Ich bin stolz darauf eine Quotenfrau zu sein!" Gerne inklusive Angela Merkel!
Quoten
Was gegen die Quote (jeglicher Art) spricht ist das Gefühl, dass jemand etwas ohne Leistung bekommt. Nurist das eben nur bedingt der Fall. Es gibt jede Menge Frauen, die keine Chance bekommen weil sie Frauen sind, dass wird man(n) nur nicht so begründen! Auch richtig ist, dass man eigentlich noch viel mehr Quoten bräuchten. Das ist aber kein wirkliches Gegenargument sondern zeigt nur wie schlecht es mit der Chancengleichheit aller in unserer Gesellschaft steht.
Quote und mehr
Angela Merkel hält sich leider immer zurück oder - schlimmer - sie blockiert. So wie zuletzt gestern bei der Abstimmung zum Jahressteuergesetzt.