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27.07.2010

Parade der Liebe?

Es ist mehr als richtig, so entschieden nach den Verantwortlichen zu fragen. Nach denjenigen, die in der 490.000-Einwohnerstadt Duisburg eine Millionen-Parade genehmigt haben. Und es ist schockierend, dass der zumindest politisch verantwortliche Oberbürgermeister der Stadt, Adolf Sauerland (CDU), nicht schon längst zurückgetreten ist. Denn selbst wenn er nicht persönlich die Loveparade wenige Stunden vor Start genehmigt hätte, wie es jetzt heißt, wäre das eine Frage des Taktes. Aber mich beschäftigt seit Samstagabend noch eine ganz andere Frage. Wie funktioniert das eigentlich: Auf Menschen so lange drauf treten bzw. gegen sie quetschen, bis sie tot sind? So schnell stirbt man doch nicht. Schreien die Getretenen und Gestoßenen nicht? Spüre ich nicht, dass ich da auf Menschen trete?
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06.07.2010

Hatun & Can: Die bittere Wahrheit

Am 31. März wurde Udo D., alias Andreas Becker, verhaftet. Am 10. Mai wies das Berliner Kammergericht dessen Haftbeschwerde zurück. Grund: Es besteht „dringender Tatverdacht auf gewerbsmäßigen Betrug in einem besonders schweren Fall“. Der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Hatun & Can wird also wohl im Moabiter Gefängnis bleiben, bis nach den Sommerferien der Prozess eröffnet wird. Es drohen ihm mehrere Jahre Gefängnis. Bereits vor Weihnachten 2009 war der Löwenanteil der halben Million Euro, die ich bei „Wer wird Millionär?“ erspielt und an den Verein gespendet hatte, beschlagnahmt worden: 382.000 Euro auf dem Konto und der 60.000-Euro-BMW. Doch allein im Jahr 2009 fehlen 164.067 Euro auf dem Vereinskonto – rund 60.000 aus meiner Mammut-Spende und der Rest aus den vielen großen und kleinen Spenden, die engagierte Frauen und Männer dem Verein gespendet hatten, der angeblich muslimischen Mädchen in Lebensgefahr half. Wo das Geld geblieben ist?
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28.06.2010

Viva La Nationalmannschaft

Nein, ich verstehe gar nichts von Fußball. Und ich schalte die Spiele von „La Nationalmannschaft“ – wie die Franzosen, bei denen ich gerade weile, mit schaudernder Bewunderung zu sagen pflegen – meist erst in den letzten 10 Minuten an. Aber ich lese, was über die Weltmeisterschaft geschrieben wird. Und ich schließe aus der medialen Hatz, dass ich für kein Geld der Welt Nationaltrainer oder Spieler sein möchte. Da entscheidet ein einziges Tor über Wohl und Wehe. Nach der 0:1-Niederlage gegen Serbien war Löw noch der Loser – jetzt ist er wieder auf dem Weg zum Helden...
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19.05.2010

Die Pille - was für eine Befreiung!

Die Pille wird 50. Auf dem Papier. Denn bis diese revolutionäre amerikanische Erfindung auch uns Frauen in Deutschland erreicht hatte, bis die Ärzte bereit waren, sie uns zu verschreiben, und bis wir uns trauten, sie auch zu nehmen – das dauerte nochmal ein paar Jahre. Ich habe die Pille ab Mitte der 60er Jahre genommen, also mit 22, 23. Über etliche Jahre. Und ich bin eine von vielen Millionen Frauen, die die Pille für ein Geschenk Gottes halten, wenn ich das in dem Zusammenhang so sagen darf. Und das trotz gewisser Einschränkungen, die sehr rasch klar wurden. Denn die Zeit vorher, das war einfach die Hölle. Entweder hatten Frauen mit Männern zu tun, die gar nicht verhüteten. Oder aber Verhütung war – bei einer Minderheit der Paare – zwar ein Thema, aber die Fehlerquellen waren immens. Zyklus ausrechnen. Temperaturen messen. Verschämt Präservative kaufen. Das alles war ein ewiger Krampf und über allem schwebte die unbeschreibliche Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft.
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14.05.2010

Sind Klischees stärker als Realitäten?

Am 12. Mai habe ich im Rahmen der Mediendozentur an der Tübinger Universität einen Vortrag gehalten, Titel: „Eine Frage der Haltung – Plädoyer für einen Journalismus mit Leidenschaft“. Schon die Hinfahrt hat, trotz Nieselregen, Spaß gemacht: vorbei an den leuchtenden Rapsfeldern des Rheingaus und des Schwabenlandes. Noch größer war meine Freude bei der Ankunft: Da drängelten sich im Audimax so viele Menschen, dass spontan beschlossen wurde, in den gegenüber liegenden Festsaal zu ziehen, wo sich dann über tausend Frauen und Männer bis hinauf auf die Galerien und in den Gängen schoben. Gut 80 Prozent der Frauen waren unter 25. Und mitten in diesem Gewusel stellte mir, sehr freundlich, eine SWR-Reporterin die Frage: „Frau Schwarzer, erreichen Sie eigentlich auch noch die jungen Frauen?“ Ich musste lachen.
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