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Sandberg meets Steinem
Auf meinem Schreibtisch liegt eine fliederfarbene Karte. Eine Postwurfsendung, die ich aus meinem Briefkasten auf dem Land gefischt habe. „Herzlich willkommen“, steht da. Und: „In Dir steckt mehr als Du denkst!“ Es ist die Einladung zu einem „Frühstückstreffen für Frauen“ im benachbarten Gemeindehaus. Daneben liegt ein potenzieller Bestseller: „Lean in – Frauen und der Wille zum Erfolg“. Die Autorin, Sheryl Sandberg, sieht mir direkt in die Augen, mit einem strahlenden Lächeln, gewandet in einen weißen V-Ausschnitt-Pullover. Beide Druckerzeugnisse wollen mir ein und dasselbe vermitteln, das eine auf bescheidenem Provinz-Niveau, das andere im ambitiösen Weltmaßstab: Du bist zwar nur eine Frau, aber du kannst es schaffen!jetzt lesen
Apropos Joschka Fischer & Daniel Cohn-Bendit
Zum 65. Geburtstag von Joschka Fischer veröffentlichte der Stern ein Porträt des Ex-Außenministers und Ex-68ers. Er erinnert darin an etwas, was seit Jahrzehnten bekannt ist, aber niemand bisher so recht zur Kenntnis nehmen wollte. Nämlich dass Fischer, der 1998 als grüner Außenminister der erste war, der Deutschland wieder in den Krieg führte, dass dieser Fischer schon früher gerne Krieg gespielt hat: Als Anführer der linksradikalen „Putzgruppe“ in Frankfurt, die in den 1970er Jahren das „Schweinesystem“ mit seinen „Scheißbullen“ und „alten Nazibonzen“ nicht nur mit Argumenten, sondern auch mit Steinen und Molotowcocktails bekämpfte.jetzt lesen
Krieg ist immer unmenschlich!
Heute vor zehn Jahren begannen die Alliierten unter Führung von Amerika mit der Bombardierung des Irak. Angeblich, weil Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hortete (was schon damals als Lüge erkennbar war und rasch widerlegt wurde). Die Bilanz zehn Jahre später: 120-190.000 Tote, vor allem IrakerInnen, aber auch 4.500 US-SoldatInnen. Sowie tausende traumatisierte Soldaten auch auf der Seite der Angreifer. Heute machen im Jahr mehr GIs Selbstmord (2012 genau 349) als im Krieg sterben. Und der Irak, dieses einstige Paradies, in dem Adam Eva den Apfel gereicht haben soll, und das unter dem Diktator Hussein immerhin das fortschrittlichste und blühendste Land der Region war mit den wenigsten Analphabeten und den emanzipiertesten Frauen, dieser Irak ist heute ein zertrümmertes Land mit einer traumatisierten Bevölkerung. Wäre es damals, 2003, nach den Menschen in den kriegsführenden Ländern gegangen, hätte es diesen Krieg nie gegeben.jetzt lesen
Der Widerstand der Katja Riemann
Seit 40 Jahren sitze ich auf Sofas und Sesseln, vor laufender Kamera, ausgeliefert dem Geplauder der ModeratorInnen. In 95 Prozent der Fälle sind diese TV-Plauderer schlecht vorbereitet und oberflächlich, meist kommen noch Sensationsgier und Häme dazu. Hätte ich nicht die Medien der letzten Tage gelesen, wäre ich darum nicht eine Sekunde lang darauf gekommen, dass der mir bis dahin unbekannte Hinnerk Baumgarten eine besondere Katastrophe sei. Der NDR-Moderator wirkte auf mich nur wie die ganz normale Katastrophe. Bekannt geworden ist diese eine von vielen TV-Labershows auch nur dadurch, dass der Medien-Kritiker Niggemeier einen Elf-Minuten-Zusammenschnitt der Sendung auf Youtube stellte. Und da wurde klar: Das einzige Bemerkenswerte an dieser Sendung ist Katja Riemann.jetzt lesen
Wessen Mütter? Wessen Väter?
Ich war gestern später nach Hause gekommen und geriet mitten rein in die Talkshow. Bei Lanz wurde über den TV-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ geredet (dessen letzter Teil heute Abend läuft). Auch davon habe ich bisher nur den ersten Teil gesehen. Aber das, was jetzt da vor meinen Augen ablief, war aufschlussreicher als ein Dutzend TV-Serien zum Thema. Und es wirft die Frage auf: Wird diese vermutlich gut gemeinte TV-Serie etwa dazu beitragen, dass in Deutschland, unserem Land mit dem zu recht schlechten Gewissen, nun das Klima kippt – und wir, die Kinder und Kindeskinder dieser Mütter und Väter, uns nur noch leid tun?jetzt lesen




