dpa-Gespräch

"Zurück-ins-Haus-Parolen" sind reine Geschäftemacherei

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hat sich zur Debatte um die Forderung nach einem neuen Feminismus kritisch geäußert. "Warum sollten wir den Feminismus alle zwanzig Jahre neu erfinden? Was wir brauchen, ist einen neuen Elan, den Feminismus auch endlich umzusetzen", sagte die EMMA-Herausgeberin in einem dpa-Gespräch.

Behauptungen, die durch das neue Buch von Eva Herman laut wurden, nach denen die Emanzipation den Frauen nur geschadet habe und sie sich wieder an den Herd zurück sehnten, nannte sie "völligen Quatsch". Solche "Zurück-ins-Haus-Parolen – übrigens vorwiegend ausgegeben von Karrierefrauen" - seien pure Provokation und Geschäftemacherei: "Wir Frauen haben besseres zu tun, als uns durch solche Spielchen aufhalten zu lassen."

Über 95 Prozent aller jungen Frauen wollten in den Beruf. Der Staat schaffe mit neuen Gesetzen gerade selber die Hausfrau ab: Witwenrenten werden gekürzt und Versorgungsansprüche Geschiedener gestrichen. Schwarzer: "Alle Weichen stehen auf eigenständiger ökonomischer Existenz von Frauen."

Jeder, der den Frauen etwas anderes erzähle, locke sie in eine Sackgasse. "Denn Feminismus, das bedeutet uneingeschränkt gleiche Chancen und Rechte - inklusive Pflichten! - für Frauen wie Männer." Nichts anderes wolle eine überwältigende Mehrheit der Frauen von heute. Auch die meisten Männer seien für die alten Verhältnisse längst nicht mehr zu haben.

Interessiert beobachte sie die Reaktionen auf das "Anti-Emanzipation-Geplapper einer Eva Herman", das prompt einen breiten Protest der Frauen und ein erstauntes Kopfschütteln bei vielen Männern provoziere. "Der trockene Kommentar meines Tankwarts zu der Schlagzeile "Frauen sollen öfter den Mund halten" lautete: "Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben..."".

Frauen wollten es heute besser machen als ihre Mütter, die sie oft als sehr zerrissen erlebt hätten. "Nur haben sie sich vielleicht Illusionen gemacht und nicht erkannt, dass alles hart erarbeitet werden muss. Irgendjemand hat ihnen erzählt, sie könnten "alles" haben und zwar sofort: Karriere, Kinder und ewige Kleidergröße 38." Das stimme nicht. Frauen müssten  Kompromisse machen. Schwarzer: "Feministinnen finden nur: Frauen sollten diese Kompromisse nicht länger alleine, sondern zusammen mit den Männern machen."

Trotz aller Hindernisse seien Frauen in den letzten dreißig Jahren mit Siebenmeilenstiefeln vorangegangen. "Mädchen erobern sich heute
mit Schwung die Welt des Wissens - und die Jungen ziehen sich
beleidigt ins Kraftmeiern zurück. Ich bin sicher, dass gerade die
Mädchen und jungen Frauen trotz aller Rückschläge und Störmanöver ihren Weg gehen werden."

Alice Schwarzer für dpa, 6. September 2006

  • Lebenslauf - Vorwort
  • Ohne Feminismus kein Frauenfußball!
  • Mercator-Vorlesung
  • Über Islamismus, Integration & Schamtücher
  • Der Fall Kachelmann
  • Cicero: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten!
  • Für ein Burka-Verbot!
  • Polanski: Die Schweiz ist eingeknickt
  • Leugnung der Machtverhältnisse
  • NZZ: Was Polanski und Röhl gemeinsam haben
  • Les Temps: Non, Polanski n’a pas payé sa dette
  • Emanzipiert Pädophilie?
  • Missbrauch - die frühe Brechung
  • Weltwoche: Alice Schwarzer über Islamismus
  • Integrationsministerium
  • Integration ist möglich!
  • Unerhörtes Selbstbekenntnis
  • Zeit-Magazin: Kein Zwang zur Mutterschaft
  • Motiv: Frauenhass
  • Biografie-Vorwort Marion Dönhoff
  • Gedenkrede Irmtraud Morgner
  • Börne-Preis-Rede
  • Über Frauen und die Welt
  • Der Spiegel 15.11.04
  • Spiegel online Interview Prostitution
  • Skandalöser Richterinnenspruch
  • Corine-Preis für Necla Kelek
  • Dankesrede Necla Kelek
  • Feminismus-Debatte
  • Kernthemen
  • Archiv

 

Die Autobiografie

 

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Lesungen zum "Lebenslauf" 2012

 

23.2. Leipzig, Hauptbahnhof/Hist. Speisesaal. 24.2. Dresden, Hauptbibliothek. 9.3. Duisburg, Zentralbibliothek. 23.4. Darmstadt, Centralstation. 24.4. Heidelberg, Neue Aula. 25.4. Tübingen, Kreissparkasse.

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Das Hörbuch zum Buch

 

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Zur Person

Alice im Alter von acht Jahren, mit 27 als Pardon-Reporterin – und bei der Buchpremiere in Berlin im September 2011.